Zeitung Heute : So kommt man weiter

Wer sich weiterbilden will, hat die Qual der Wahl. Checklisten und Beratung erleichtern die Suche

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„Der Markt für Weiterbildung ist immens“, sagt Herbert Tutschner, Abteilungsleiter am Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in Bonn. Und tatsächlich: Knapp 28 Millionen Teilnehmer sind im Jahr 2002 bei Kursen, Seminaren und Trainings zur beruflichen Weiterbildung gezählt worden. Rund 14 Milliarden Euro haben sich die Teilnehmer das kosten lassen.

War das Geld in jedem Einzelfall gut angelegt? Grundsätzlich gilt heute zwar: Wer im Beruf weiterkommen will, muss regelmäßig seine Qualifikation verbessern. Und wer arbeitslos ist, erhöht mit Lehrgangszertifikaten seine Chancen auf einen neuen Job. Doch die Angebote sind vielfältig und nicht jedes ist für jeden das richtige.

Statt sich im Nachhinein über vertane Zeit oder verlorenes Geld zu ärgern, ist es besser, sich vorher gründlich zu informieren. Doch gleicht das nicht der sprichwörtlichen Suche einer Nadel im Heuhaufen? Wie soll man sich im Dickicht der Angebote zurechtfinden?

Ganz allein gelassen sind Weiterbildungswillige allerdings nicht, können sie sich doch an Kriterien orientieren, die von Profis erarbeitet wurden. So verweist BiBB-Experte Tutschner auf die „Checkliste - Qualität beruflicher Weiterbildung“, die seine Behörde herausgegeben hat (siehe Infos rechts). Die Liste enthält eine Fülle praktischer Tipps, die die Auswahl eines passenden Kurses erleichtern können. Zunächst sollte man sich aber über einige grundsätzliche Aspekte im Klaren sein.

Was will ich? Geht es darum, einen Abschluss nachzuholen, einen Arbeitsplatz zu finden, beruflich aufzusteigen oder gar selbstständiger Unternehmer zu werden?

Was kann ich? Vor der Entscheidung für eine bestimmte Maßnahme, sollte man sich über seine beruflichen und persönlichen Fähigkeiten klar werden. Positiv zu bewerten sind daher Veranstalter, die spezielle Eignungstests anbieten. Besonders vorteilhaft ist es, wenn außerdem intensive persönliche Beratung offeriert wird.

Bereitet der Kurs auf eine Prüfung vor? Der individuelle Wert einer Weiterbildungsmaßnahme hängt stark davon ab, ob sie auf einer – möglichst im ganzen Bundesgebiet anerkannten – Ordnung fußt. Diese sollte von der zuständigen Stelle für Berufsbildung, in der Regel einer Kammer, aufgestellt sein. Es gibt auch Weiterbildungsregelungen, die nur in einzelnen Bundesländern gelten. Sollen beispielsweise EDV-Kurse oder Laborpraktika in berufsbezogene Studien integriert werden, sollten diese vorher von den Hochschulen begutachtet werden.

Wie wird der Abschluss anerkannt? Wenn die Maßnahme nicht mit einer Prüfung vor der Kammer oder einem vergleichbaren Examen abschließt, sollte das Ziel klar beschrieben sein. Wie lässt sich der Kurs später konkret verwerten? Es lohnt sich, beim Arbeitsamt, bei Kammern, Berufsverbänden oder Gewerkschaften sowie gegebenenfalls bei einer Studienberatung nachzufragen.

Bei der Qualitätsprüfung legen die Kammern strenge Maßstäbe an. „Wir vergeben Zertifikate nur für Maßnahmen, die ein bundeseinheitliches Curriculum haben“, sagt Claus Labonté, Leiter des Bereichs Weiterbildung bei der IHK Berlin. Die Ausarbeitung entsprechender Lehrgänge liegt bei der „Weiterbildungs-GmbH“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK).

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