Zeitung Heute : Software-Konzern SAP will sich in Mitte niederlassen

Der Tagesspiegel

Gute Nachrichten für den Standort Berlin: Der größte europäische Software-Konzern SAP will offenbar eine neue Niederlassung mit mehreren hundert Beschäftigten im Stadtzentrum eröffnen. „Wir suchen einen zentralen und repräsentativen Standort, um unsere Berliner Bereiche zusammenzufassen“, sagte SAP-Sprecher Markus Berner dem Tagesspiegel. Keine Stellungnahme wollte er zu Berichten abgeben, SAP wolle rund 300 neue Arbeitsplätze in Berlin schaffen. Berner sagte lediglich, es werde überlegt, weitere Betriebsteile zu verlagern. Derzeit hat das Unternehmen hier an drei Standorten etwa 280 Beschäftigte. Insgesamt beschäftigt SAP, das seinen Hauptsitz in Walldorf bei Heidelberg hat und beibehalten will, mehr als 28 000 Mitarbeiter. Konzernsprecher Berner kündigte an, in den nächsten Wochen mehr Details bekanntzugeben.

Als Standort für den neuen Sitz favorisiert SAP nach Angaben eines Eingeweihten ein brachliegendes Grundstück an der Rosenthaler Straße / Ecke Gipsstraße in Mitte. Hier, unweit der Vorzeigeimmobilie Hackesche Höfe, sollten Mitte der neunziger Jahre erst ein Büro- und Geschäftshaus, später ein Hotel gebaut werden. Wegen der Flaute auf dem Immobilienmarkt kam das Bauvorhaben aber nie über die Kellerdecke hinaus.

Seit Ende der Neunziger befindet sich – sehr zum Ärger der Anwohner und der Bezirksverwaltung – auf der Fläche lediglich eine kahle Betonplatte, aus der Pfeilerstümpfe ragen. An dieser Stelle will die Hamburger Projektwerke AG nach den Plänen des Berliner Architekten Mark Braun ein 60 Millionen Euro teures Bürogebäude mit 15 000 Metern Nutzfläche bauen, das wiederum an SAP vermietet würde.

Offiziell will der Bauherr sich noch nicht zu dem Projekt äußern. Harm Müller-Spreer von der Projektwerke AG bestätigt lediglich, dass es „ernste Gespräche“ mit den zuständigen Behörden gebe. Mehr als dass „über den Ausbau des Standortes von SAP in Berlin gesprochen“ wird, ist auch von der Sprecherin von Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS), Heike Engelhardt, nicht zu erfahren. Ob und in welcher Höhe Gysi dem Konzern Fördergelder für die Ansiedlung versprochen hat, will Engelhardt ebenfalls nicht sagen .

Sollte die Niederlassung wie geplant entstehen, wäre das der erste große Ansiedlungserfolg der rot-roten Koalition. „Das wäre sehr gut für die Stadt und ein Signal für andere Unternehmen“, sagt die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD), Petra Reetz.

Das Vorhaben des Weltmarktführers für betriebliche Anwendungssoftware wäre ein weiterer Schritt im Übergang von der früheren Industriestadt zur Medien-, Dienstleistungs- und Hochtechnologie-Metropole. Im vergangenen Jahr war unter anderem der Musikkonzern Universal mit rund 500 Mitarbeitern von Hamburg nach Berlin gezogen, der Total Fina Elf-Konzern verlegte nach seiner Fusion die Zentrale mit 400 Mitarbeitern an die Spree und die Bertelsmann-Tochter BMG legte ihre Hamburger und Berliner Büros in der Hauptstadt zusammen. Als Erfolgssignal für den Finanzstandort wurde im vergangenen Jahr auch die Entscheidung der britischen Investmentgesellschaft M & G bewertet, eine Niederlassung mit 50 Mitarbeitern in Berlin zu eröffnen

Sehr groß ist die Freude über das Vorhaben von SAP erwartungsgemäß im Bezirk Mitte. „Durch die Niederlassung würde das ganze Gebiet um den U-Bahnhof Weinmeisterstraße enorm aufgewertet“, sagt Finanzstadtrat Jens-Peter Heuer (PDS), der kommissarisch als Wirtschaftsstadrat fungiert. Er hofft, dass von der Ansiedelung des Software-Konzerns auch jene Computer-, Internet- und Medien-Unternehmen der Umgebung profitieren, von denen es vielen in den vergangenen Jahren nicht besonders gut ergangen war. Lars von Törne

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