Zeitung Heute : „Solchen Raum gibt es in Berlin kein zweites Mal“

Star-Architekt Hans Kollhoff über seinen Entwurf für den neuen Berliner Club Goya

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Herr Kollhoff, Sie gelten als Vertreter einer monumentalen Hochhausarchitektur, ein Beispiel dafür ist das DaimlerChrysler-Haus am Potsdamer Platz. Jetzt gestalten Sie den Innenraum des Metropol neu. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Die Möglichkeit, eine Atmosphäre, etwas Immaterielles zu entwerfen, einmal nicht vom Städtebau und von außen an die Bauaufgabe heranzugehen, denn das ist alles schon da, sondern von einer Raumstimmung.

Was werden Sie aus dem Metropol machen?

Das heutige Metropol ist ja nur das Foyer des 1906 in privater Initiative gebauten Neuen Schauspielhauses, der Hauptbau fiel der Zerstörung des 2. Weltkrieges zum Opfer. In dieses ehemalige Foyer werden wir einen grandiosen Club einbauen, der wie damals ausschließlich über Aktien, also ohne Bankkredit und auch ohne Mittel der Öffentlichen Hand finanziert ist.

Der zentrale Raum hat ja eine Deckenhöhe von fast 13 Metern. Welche Gestaltungselemente haben Sie ausgewählt, um ihm eine Club-Atmosphäre zu geben?

Dreizehn Meter im Lichten. Aber die Höhe ist ein wesentliches Gestaltungsmerkmal des Innenraumes. Der eintretende Gast soll erst einmal staunen. Einen solchen Raum gibt es in Berlin kein zweites Mal. Der große Atem dieses Raumes wird aber noch gesteigert durch übereinander angeordnete Säulenreihen, die dem Schwung des Grundrisses folgen und die Balkone tragen.

Darüber hinaus spielt das Licht für den Raumeindruck eine ganz wichtige Rolle. Vor allem die Lüster, mit Kerzen bestückt, werden für eine ganz einzigartige Festlichkeit sorgen.

Welche Materialien und Farben bevorzugen Sie fürs Goya?

Der Hauptsaal wird zunächst einmal durch die weißen, ein Spiel von Licht und Schatten bewirkenden Stuck- und Rabitzoberflächen der Decken, Wände, Gesimse und Säulen geprägt. Dazu kommen die matt glänzenden Holzoberflächen der Böden, Sockelbekleidungen und Möbel sowie schließlich Stoffe und Lederbezüge in kräftigen, die unterschiedlichen Raumzonen markierenden Farben. Schließlich werden spiegelnde und metallisch glänzende Oberflächen, etwa bei Wandleuchten und Lüstern, für ein geheimnisvolles Lichtspiel sorgen.

Da auf der Restaurant-Ebene nach einem opulenten Mahl getanzt werden soll, wie sieht es mit der Akustik des Raumes aus?

Natürlich wird sowohl die Raumakustik als auch die Akustik der Musikanlage ein ganz wesentliches Qualitätsmerkmal des Goya sein. Nichts ist schlimmer für einen Club, in dem ganz selbstverständlich getanzt werden soll, als eine hallige Atmosphäre und eine Musik, die nicht an allen Stellen des Raumes in gleich guter Qualität wahrgenommen wird. Schon zu Beginn der Planung haben wir einen namhaften Raumakustiker einbezogen. Wir wollen mit der Musikanlage völlig neue Wege beschreiten.

Es gibt eine Balkonebene, die Sie gestalten und die einzig den Club-Mitgliedern und ihren Gästen vorbehalten bleibt. Wie kann man sich diese Aktionärsetage vorstellen, und wird man Sie persönlich dort auch gelegentlich antreffen?

Natürlich wird man mich als einen von 150 Gründungsaktionären auch im Goya treffen, nicht nur auf der oberen der beiden Balkonebenen, die, wie Sie richtig sagen, den Aktionären, sprich den Clubmitgliedern vorbehalten sein wird. Aber außer der privilegierten Lage wird sich die Aktionärsetage nicht wesentlich vom restlichen Innenraum unterscheiden.

Beziehen Sie das äußere Erscheinungsbild des Hauses in den Umbau mit ein?

Wir ersetzen den behäbigen Schriftzug „Metropol“ durch ein beschwingtes „Goya“.

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