Zeitung Heute : Soldat mit Zweifeln

Der Tagesspiegel

Der Wehrbeauftragte Penner formuliert ernste Befunde in konziliantem Ton. So liest sich sein Jahresbericht 2001 weit weniger dramatisch als jener kürzlich bekannt gewordene Bericht, in dem der Bundeswehr-General Löchel dem Generalinspekteur ein wenig tröstliches Bild vom Innenleben der Truppe gezeichnet hatte. Wer allerdings genauer hinschaut, findet bei dem SPD-Politiker Penner die gleichen Klagen wieder. Sie verdichten sich zum Bild einer Truppe, die nicht nur objektiv unter Geldmangel, schlechter Ausrüstung, Verzögerungen bei Reformprojekten und vielen, immer härteren Einsätzen leidet, sondern auch eines Wehrverbandes, der dies auch subjektiv so empfindet und sich im Stich gelassen fühlt. Das ist ein Alarmsignal. Noch alarmierender ist Penners Hinweis, dass sich Soldaten in Einsatzgebieten, vor allem auf dem Balkan, nach dem Sinn ihres Tuns zu fragen beginnen. Sinkende Auslandszulagen, fehlende Klima-Anlagen in Schiffen oder desinteressierte Vorgesetzte - solche Missstände können mit Geld und gutem Willen abgestellt werden. Wenn sich in der Truppe aber der Eindruck verfestigt, sie werde von der Politik nur als Feuerwehr in fremde Weltgegenden geschickt, ohne dass dahinter ein politisches Konzept steckt, dann gerät die Legitimität insgesamt in Gefahr. Das klingt sehr theoretisch, ist es aber nicht. Der Staatsbürger in Uniform will wissen, wozu er sich in Gefahr begibt. Die Politik hat es ihm bislang offenkundig nicht richtig klar machen können. bib

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