Zeitung Heute : Soldaten-Soap

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Im Spielfilm „Wag the Dog“, inszeniert ein Hollywoodproduzent einen Krieg in Albanien, den es nicht gibt. Er inszeniert ihn fürs Fernsehen, um die Aufmerksamkeit abzulenken von einer Sex-Affäre des Präsidenten.

Die Entertainment-Abteilung des US-Fernsehsenders ABC soll jetzt den echten Krieg zeigen – als Reality-Show. 13 Folgen sind geplant und, zumindest die ersten sollen in Afghanistan gedreht werden. Produziert werden die „Porträts von der Front“ von Jerry Bruckheimer und Bertram von Munster. Bruckheimer zeichnete für das Weltkriegsdrama „Pearl Harbor“ verantwortlich. Munster hat mehrere Reality-Shows produziert.

Das Projekt ist innerhalb der ABC umstritten. So will die „New York Times“ von einem Sender-Offiziellen erfahren haben, dass die ABC-Nachrichten-Abteilung sich beim Mutterkonzern Walt Disney beschwert habe, dass Unterhaltungs-Produzenten für Dokumentationen über den Krieg verantwortlich sein sollen. Wenig begeistert sind die Nachrichtenleute auch, weil Munster ihnen das Filmmaterial nicht zugänglich machen will.

Die ABC-Pressemitteilung macht deutlich, dass Aufklärung ohnehin nicht im Vordergrund stehen wird, und sie zeigt auch, warum das Pentagon den Filmteams großzügig Zugang zur Front gewähren will: Die „eindringlich persönlichen Geschichten der Männer und Frauen des US-Militärs, die die Last dieses Kampfes tragen“, soll erzählt werden.

Auch der Produzent in „Wag the Dog“ wusste, dass man eben keinen Krieg ohne Helden inszenieren kann. Heiko Dilk

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