Zeitung Heute : Solidarität hat einen kleinen Preis

Pünktlich zum Mittag liefert ein Helfer das Essen mit seinem Auto, frisch gekocht und auf Porzellantellern angerichtet. Es ist ein Mitarbeiter der Seniorengenossenschaft Riedlingen, der das Essen ausfährt. Seit 20 Jahren funktioniert in der schwäbischen Kleinstadt ein außergewöhnliches Modell der Nachbarschaftshilfe: junge Alte helfen denen, die gebrechlich sind und Hilfe brauchen. Nicht umsonst und aus purer Solidarität, sondern gegen ein Entgelt von derzeit 6,15 Euro pro Stunde. Wer Hilfe braucht, zahlt 8,20 Euro – und bekommt dafür Dienstleistungen wie Transporte oder auch das Einschrauben der kaputten Glühbirne. Es geht der Seniorengenossenschaft darum, anderen zu ermöglichen, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben zu können.

Wer bei der Seniorengenossenschaft mitmacht, kann entweder bis zu maximal 2100 Euro im Jahr steuer- und abgabenfrei verdienen oder die geleisteten Stunden auf einem Konto ansparen und dann später selber dafür Dienstleistungen einkaufen. Die meisten lassen sich für die geleistete Arbeit auszahlen. Wie auch der Helfer, der das Essen bringt und vor drei Jahren selbst in Rente ging: „Mir macht es viel Spaß, und ich habe was zu tun.“ Tsp

www.martin-riedlingen.de

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