Sommer 2013 : Omega-Wetter

Was für ein Sommer. Strahlende Sonne den ganzen Tag, und doch bleibt die Hitze erträglich. Keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Bildet sich mal ein kleiner dünner Schleier, löst er sich bald wieder auf. Vor allem ist es überhaupt nicht schwül. Und nachts wird es angenehm kühl.

Ein solches Traumwetter hat es gefühlt schon lange nicht mehr gegeben. Es entschädigt für viele trübe Monate früher im Jahr. Die Meteorologen sprechen von einer „Omega-Wetterlage“. Das hat etwas mit der Form des griechischen Buchstabens h zu tun. In der Mitte, genauer: über Skandinavien, hat sich ein stabiles Hoch festgesetzt. Links und rechts davon, etwas unterhalb, befinden sich zwei Tiefs, die das Hoch festhalten. Zieht man eine Grenzlinie um das Hoch und zwischen die beiden Tiefs, sieht das Bild aus wie ein h-Zeichen. Die Lage der beiden Tiefs führt dazu, dass Luft aus dem Norden und Nordosten zu uns geführt wird. Diese Luft ist trocken und nicht ganz so heiß. Wegen der Trockenheit lösen sich Verdunstungen schnell auf, Wolken können gar nicht erst entstehen. Dafür trocknet die Natur aus, die Waldbrandgefahr steigt. Bei anderen Sommer-Wetterlagen strömt feuchte, subtropische Luft aus dem Süden in den Norden. Dann ist es schwül und heiß, und nachts kriegen viele Menschen kein Auge zu.

Yasmine heißt das Hoch diesmal. Genießen wir es, solange es noch geht. Der Buchstabe h ist der letzte des griechischen Alphabets und wird bildlich mit irgendeinem Ende in Verbindung gebracht. Dem Ende von was? Dem Ende des schlechten Wetters in diesem Jahr? Da sollte sich niemand zu früh freuen. Nach langen Omega-Wetterlagen folgte oft abrupt eisige Kälte, Stürme, Schneetreiben. Das „Münsterländer Schneechaos“ im Jahr 2005 ist Münsterländern noch immer lebhaft in Erinnerung. Ganz Deutschland denkt dagegen noch an die Hitzewelle 2003. Da begannen die ersten Omega-Wetterlagen schon im Winter, das ganze Jahr war zu trocken und zu heiß.

So ein Wetter gibt es nicht alle Tage. In Kürze könnte schon Schluss sein. Zumindest in Süddeutschland. Dann wird es dort schwül. Der Osten hat es besser. In Berlin und Brandenburg soll die h-Lage länger anhalten. Hoffentlich nicht zu lange. Schafft sie es bis in den Winter, dreht sich das Wetter in sein Gegenteil. Dann strömt eiskalte trockene Luft vom Nordpol zu uns. Die Natur wünscht sich etwas anderes: trübes Regenwetter. Gönnen wir es ihr. Andreas Oswald

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