Zeitung Heute : Sommer in Deutschland: Backsteingotik - gebrannte Größe

Helmut Caspar

In fünf alten Hansestädten findet in diesem Jahr ein Ausstellungsmarathon der Extraklasse statt. Unter dem Motto "Gebrannte Größe - Wege zur Backsteingotik" zeigen die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, unterstützt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den evangelischen Landeskirchen und weiteren Institutionen, welche Architekturmonumente im Mittelalter in Norddeutschland errichtet wurden, woher überhaupt die immensen Gelder für sie kamen und wer die Auftraggeber waren. Nicht zuletzt soll gezeigt werden, was von den Monumentalbauten erhalten ist.

Bei der Vorstellung des Projekts in der Berliner Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern betonte der Kulturminister des norddeutschen Landes, Peter Kauffold, mit dem Großprojekt einer "Pilgerfahrt zur Backsteingotik" wolle man deren geistige, religiöse und materielle Ursprünge darstellen, auf vielfach auch bei Einheimischen unbekannte Schätze aufmerksam machen und natürlich auch dem Tourismus Impulse geben. Dies um so mehr, als Mecklenburg-Vorpommern mit seinen aus rot gebrannten Backsteinen gefügten Bauten ein "Pfund" besitze, mit dem noch lange nicht genug gewuchert werde. Er erwarte nachhaltige Wirkungen für die Region und hoffe auf regen Zuspruch aus dem In- und Ausland. Schon jetzt lägen Erfolg versprechende Anfragen vor.

Mit der noch bis zum 3. November in Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald präsentierten Schau soll die "faszinierende Zeit der Hanse" lebendig werden, in der die Backsteingotik, kenntlich vor allem an riesigen Kirchen mit hohen Gewölben und weithin sichtbaren Türmen, aber auch Rathäusern, Türmen, Stadtbefestigungen und Bürgerhäusern, zu voller Blüte kam, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow. Er sieht in der Aktion auch eine willkommene Möglichkeit, neue Freunde für den Denkmalschutz und weitere Sponsoren für gefährdete Bauten zu gewinnen, die es - Wende hin, Wende her - leider immer noch gibt. Gerade in Zeiten knapper Kassen sei privates Engagement, auch kleiner Münze, gefragt und überaus hilfreich. Kiesow rechnet auf großen Widerhall in Deutschland und im Ausland, zumal jetzt eine intensive Werbekampagne für die "Wege zur Backsteingotik" beginnt.

Die thematisch gegliederte Ausstellung dokumentiert im Lübecker Holstentor, welches die Quellen des sagenhaften Reichtums von Lübeck, der Königin der Hanse, waren und womit sich Schiffer, Schiffsbauer und Kaufleute im Mittelalter befassten. In der Wismarer Marienkirche werden unter anderem Einblicke in die Bautechniken dieser Zeit vermittelt, derweil vor der Küste eine nach alten Plänen nachgebaute Kogge die hohe Kunst des Schiffbaues in der Hansezeit demonstriert. Besucher des Klosters zum heiligen Kreuz in Rostock werden mit der "Sprache der Steine" bekannt gemacht, außerdem lernen sie wertvolle Dokumente wie die berühmte Bilderrolle des Vike Schorler aus dem 16. Jahrhundert mit der Darstellung von Rostocker Häusern und Straßen kennen. Die Ausstellungsabschnitte im Stralsunder Katharinenkloster befassen sich mit maritimer Macht und der zeitweiligen Dominanz der Hanse auf den Nordmeeren. Und schließlich werden im Greifswalder Sankt-Jacobi-Dom die geistigen Grundlagen jener längst vergangenen Geschichtsepoche dokumentiert. Eines der Spitzenstücke dieses Austellungsteils ist die Gutenbergbibel, dazu wird in einem Scriptorium illustriert, wie Mönche heilige Schriften und Urkunden abgeschrieben haben.

Natürlich kann jeder für sich die Ausstellungen besuchen, man kann auch Pauschalreisen zu den einzelnen Abschnitten buchen. Dazu hat der Touristische Buchungsservice Mecklenburg-Vorpommern die Servicenummer 01 80 / 50 02 23 eingerichtet, er kann auch unter der Telefaxnummer 03 81 / 403 07 55 erreicht werden. Die Ausstellungsserie wird in den einzelnen Städten durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Führungen und Lesungen ergänzt. Angeboten werden eine CD-ROM sowie eine fünfteilige Buchreihe zur Ausstellung, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zum Preis von 38 Euro herausgibt.

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