Zeitung Heute : Sonne, Mondlicht und Sterne

Weihnachtssterne bilden ihre Knospen aus, wenn es dunkel wird – doch sie scheuen nicht die Helligkeit

Tassilo Wengel
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Deko „to go“. Der Weihnachtsstern wird zum Hingucker, wenn die Lieblingspostkarte oder Geschenkpapier zum Übertopf umfunktioniert...

Sie sind die Kultpflanzen der Weihnachtszeit: In den letzten Wochen des Jahres haben die Weihnachtssterne Hochkonjunktur. Blumengeschäfte und Gartencenter bieten sie in reicher Auswahl an, als Hochstamm oder mehrtriebig gezogen und in vielen Farben.

Nach Europa gelangt die Pflanze erstmals im Jahr 1804. Der Naturforscher Alexander Freiherr von Humboldt entdeckte sie auf einer Amerikareise und brachte sie mit nach Hause. In Berlin wird die Pflanze katalogisiert. 1833 gibt ihr der Botaniker Carl Ludwig Willdenow den botanischen Namen Euphorbia pulscherrima – „die Schönste der Euphorbien“. 1822 erreicht die Pflanze durch den nordamerikanischen Gesandten in Mexiko, Joel Poinsett, die USA. Dort wird sie auf den Namen „Poinsettia“ getauft und jährlich am 12. Dezember mit einem „Poinsettia Day“ gefeiert. Traditionell schenken sich die Menschen in Amerika an diesem Tag Weihnachtssterne.

Die Mexikaner nennen sie „Feuerblume“. Der Sage nach entstand die leuchtend rote Farbe aus dem Blutstropfen einer aztekischen Göttin, die nach unglücklicher Liebe an gebrochenem Herzen starb. Die Einheimischen nennen diese schöne Pflanze auch „flores de noche buena“ – Blume der Heiligen Nacht – und pflanzen sie in vielen Gärten an. Seine natürliche Verbreitung hat der Weihnachtsstern auf Hochebenen in Mexiko, Guatemala und Kolumbien, die von Regen- und Trockenperioden geprägt sind.

In unseren Gefilden hat sich die Pflanze als Weihnachtsstern oder auch Adventsstern wegen der winterlichen Blütezeit zu einer begehrten Topfpflanze entwickelt. In vielen Regionen der Tropen und Subtropen hat sich die Pflanze auch als wertvolle Gartenpflanze etabliert und wer im Herbst das Mittelmeergebiet bereist, wird sie dort in überwältigender Üppigkeit in Blüte erleben.

Obwohl die Art bereits 1834 nach Kew in England kam, fand sie erst nach 1900 größere Verbreitung. Anfang des 20. Jh. begann man, sich mit der Züchtung von Weihnachtssternen intensiv zu beschäftigen. Inzwischen gibt es eine Fülle von Sorten mit unterschiedlichen Farben. Die Palette reicht vom klassischen Rot über rosa, creme und lachs, auch zweifarbige Sorten gibt es mittlerweile. Im November und Dezember werden sie in unterschiedlichsten Farbnuancen, aber auch Formen angeboten. Neben verzweigten und unverzweigten Pflanzen umfasst das Sortiment auch Mini-, Midi- und Maxipflanzen. Ob man lange Freude an der Pflanze hat, oder ob sie schon nach wenigen Tagen die Blätter abwirft, entscheidet bereits der Standort im Gartencenter. Auf Zugluft und Kälte reagieren die Pflanzen sehr empfindlich. Deshalb sollte man bereits beim Kauf darauf achten, wo die Pflanzen stehen und wie sie angeboten werden. Die kleinen gelbgrünen Blütenstände sollten bei Kauf der Pflanze knospig sein, damit sich die Pflanzen längere Zeit halten. Dunkelgrüne Blätter und weiße Wurzeln sind Kennzeichen für gesunde Pflanzen.

Während der Blütezeit benötigt der Weihnachtsstern einen hellen Platz, ohne der intensiven Mittagssonne ausgesetzt zu sein. Die Temperaturen liegen optimal zwischen 16 und 18 Grad Celsius. In dieser Zeit hält man das Substrat gleichmäßig feucht, meidet aber stauende Nässe. Nach der Blütezeit ist eine Weiterkultur möglich, und mit etwas Geschick lässt sie sich auch in der nächsten Vorweihnachtszeit zur Blüte bringen.

Wer sich auch im kommenden Winter an der Pflanze erfreuen möchte, lässt die Pflanze nach der Blütezeit für sechs Wochen völlig trocken und warm stehen. Dann nimmt man sie aus dem Topf, schüttelt die alte Erde ab und verpflanzt in neue humose, nährstoffreiche Erde. Dabei schneidet man sie etwa auf die Hälfte zurück und lässt etwa fünf Triebe stehen. Bei gleichmäßiger Bodenfeuchte und wöchentlichen Gaben eines Volldüngers wächst die Pflanze kräftig heran. Um Pflanzen mit schöner Form zu bekommen, sollte man die neuen Triebe regelmäßig stutzen. So bildet der Weihnachtsstern viele neue Triebe und entwickelt sich zu einer schönen buschigen Pflanze. Ab Mitte Mai kann man den Weihnachtsstern ins Freie stellen und nach allmählicher Gewöhnung auch der vollen Sonne aussetzen. Sobald die Temperaturen im Herbst unter 15 Grad Celsius zu sinken drohen, stellt man die Pflanze in das Zimmer. Weihnachtssterne sind sogenannte Kurztagspflanzen. Sie bilden nur dann Knospen und Blüten aus, wenn sie täglich weniger als 12 Stunden am Tag Licht erhalten. Deshalb entwickeln sich die Blütenknospen erst mit den kürzer werdenden Tagen und die Hochblätter nehmen ihre typische Farbe an. Durch Verdunkeln oder Belichten für mindestens 30 Tage lässt sich die Blütenbildung steuern.

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