Zeitung Heute : Sonnige Zeiten

Wer sich mit regenerativen Energien auskennt, hat gute Berufsaussichten. Zur Zeit werden vor allem Ingenieure, Architekten und Techniker gesucht, die Zusatzwissen rund um Sonne, Wind und Wasser mitbringen

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Erneuerbare Energien sind weltweit auf dem Vormarsch. In Deutschland liefern Wind- und Wasserkraft, Sonnen- und Bioenergie sowie Erdwärme nach Angaben der Informationskampagne für Erneuerbare Energien in Berlin heute bereits mehr als jede zehnte Kilowattstunde Strom. „Die Branche wird noch weiter wachsen“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) in Paderborn, Milan Nitzschke. Bisher wurden für diesen Bereich kaum eigene Ausbildungsberufe entwickelt, aber mit entsprechenden Fortbildungen oder Aufbaustudien stehen die Chancen für Arbeitssuchende aus ganz unterschiedlichen Bereichen relativ gut.

„Die Zahl der Arbeitsplätze in dieser Branche steigt“, bestätigt Sylvia Schwermer vom Bundesumweltamt in Dessau. Nach Angaben des BEE erhöhte sich im Jahr 2005 die Zahl der Beschäftigten in der Branche um 20 000 auf 150 000. Die größten Arbeitgeber sind Wind-, Solar- und Bioenergieunternehmen. Ziel sei ein Anstieg auf eine halbe Millionen Beschäftigte bis 2020, sagt Milan Nitzschke vom BBE. „Teilweise werden schon jetzt Fachkräfte händeringend gesucht.“

Nicht nur der weltweit wachsende Energiebedarf bei steigenden Ölpreisen, sondern auch die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebene Förderpolitik in Deutschland hat der gesamten Branche in den vergangenen Jahren zu einem rasanten Wachstum verholfen – und das Bundesumweltministerium in Berlin will den Ausbau erneuerbarer Energien weiter forcieren.

„Bedarfsorientierte Ausbildungs- und Qualifikationsentwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien stecken zum Teil noch in den Kinderschuhen und lassen Übersichtlichkeit und schnelle Orientierungsmöglichkeiten vermissen“, sagt Nina Zastrow vom Wissenschaftsladen Bonn. Bisher gebe es keine allgemeine staatliche Vereinheitlichung wie bei anerkannten Berufsausbildungen. „Es wurden aber bestehende Berufsprofile und Ausbildungsordnungen verändert oder ergänzt“, sagt Nina Zastrow.

Inzwischen bieten zahlreiche Universitäten und Fachhochschulen ein Aufbaustudium zu erneuerbaren Energien an, beispielsweise der Studiengang „Regenerative Energiesysteme“. „Schülern, die sich für ein Studium im Bereich erneuerbare Energien interessieren, rate ich zu einem Basisstudium wie der Elektrotechnik, der Physik oder des Maschinenbaus mit anschließender Vertiefung im Bereich der erneuerbaren Energien, etwa durch einen aufbauenden Masterstudiengang“, sagt Beate Raabe von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn.

„Derzeit werden ganz herkömmliche Berufsbilder gesucht, wie Ingenieure, Architekten oder Heizungsbauer“, berichtet Joachim Frielingsdorf, Sprecher der Energieagentur Nordrhein-Westfalen in Wuppertal. „Das Zauberwort ist die berufliche Weiterbildung.“ Beispiele sind etwa die Fortbildung zum „Fachagrarwirt Erneuerbare Energien“ oder die Zusatzausbildung „Erneuerbare Energien, ökologische Energienutzung, Energieberatung“.

Eine schulische Fortbildung, die sich an Handwerker richtet, ist die des Solarteurs. Diese Fachkraft für Solartechnik beschäftigt sich nicht nur mit dem Planen und Bauen von Anlagen, sondern auch mit der Montage. Die Weiterbildung dauert etwa 200 Stunden. Eine Ausbildung etwa als Elektro-Installationsmeister oder Heizungs- oder Sanitärinstallateur ist Voraussetzung.

In Berlin bietet die Solar-Schule des Landesverbands Berlin-Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) Fort- und Weiterbildungen im Bereich Solarenergie und regenerative Energien an. Die Lehrgänge richten sich an die verschiedensten Berufsgruppen – von Ingenieuren und Technikern über Architekten bis hin zu Handwerkern.

Erfahrung im Solarbereich ist allerdings kein Muss für Mitarbeiter, die sich beim Solarzellenhersteller Q-Cells aus Wolfen in Sachsen-Anhalt bewerben. Seit der Gründung 1999 hat das Unternehmen rund 800 Arbeitsplätze geschaffen. „Aber es werden sicher noch mehr werden. Ein Ausbau der Produktion ist geplant“, sagt Sprecher Stefan Dietrich. Beschäftigt würden Chemiker, Physiker und Ingenieure verschiedener Fachrichtungen. In der Produktion sei eine Ausbildung und Berufserfahrung in der chemischen Industrie oder bei hoch automatisierten Produktionsprozessen von Vorteil.

Erneuerbare Energien sind ein Beschäftigungsmotor, sagt Christoph Podewils, Sprecher der Informationskampagne für Erneuerbare Energien. Auch Nitzschke ist sich sicher: „Mit einer soliden Ausbildung und Aufgeschlossenheit gegenüber dem Thema erneuerbare Energie hat man gute Chancen, in diesem Bereich unterzukommen.“ Bleibt zu hoffen, dass sich die hohen Erwartungen der Branche auch tatsächlich erfüllen.dpa/sizo

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