Zeitung Heute : Sony will die Wohnzimmer erobern

JUSTUS DEMMER

Was Intel und Microsoft für die Computer in Büros und Arbeitszimmern sind, möchte der japanische Elektronik-Gigant Sony für computergestützte Anwendungen im Wohnzimmer werden.Im vergangenen Jahr hatte mit dem Vaio bereits ein ausdrücklich auch für die heimische Film- und Tonbearbeitung konzipierter, tragbarer PC das Haus verlassen.Kürzlich stellte die Sony Computer Entertainment Inc.(SCEI) in Tokio erstmals Details der Playstation II vor.Die neue Spiel-Konsole, ein weiterer Markstein auf dem Weg in die Wohnstuben?

Gemeinsam mit Toshiba entwickelte Sony dafür einen eigenen 128-Bit-Chip, der im Paket mit drei weiteren Prozessoren die bislang gewohnte Grafikqualität am PC und im Videospiel verblassen läßt.Dazu machen die Japaner die bislang als Einzelgerät verkaufte Konsole netzwerktauglich und verschaffen ihr mit einem USB-Anschluß Zugang zur PC-Welt.Gleichzeitig kann sie Audio-CDs und DVD abspielen und unterstützt weiterhin die alten Playstation CD-ROM - aus dem ehemaligen Spielzeug könnte ein zentrales Gerät im Wohnzimmer werden.

"Unsere Vision ist es, eine völlig neue Art der Unterhaltung am Computer jenseits der Spiele zu schaffen", sagte SCEI-Vizepräsident Ken Kutaragi bei der Präsentation der neuen Playstation im Tokio International Forum.Bilder aus dem Rechner so scharf wie vom Fernseher gewohnt, virtuelle Welten, in denen sich Cyber-Nauten frei bewegen und interagieren können - die Rechenleistung des neuen Sony Chips öffnet den Weg zu solchen Anwendungen.

Allerdings wird Sony zu dem Projekt nicht nur durch Erfindungslust getrieben.Zwar ist die Firma bei den Videokonsolen noch Marktführer mit der 1994 eingeführten, ersten 32-Bit-Playstation.Doch Konkurrent Nintendo hat sich mit einem 64-Bit-Gerät auf eine erfolgreiche Aufholjagd gemacht und Sega ist bereits mit einer 128-Bit-Konsole mit Internet-Anschluß in Japan in den Läden.Die Sega-Konsole stützt sich dabei auf das Microsoft-Mini-Betriebssystem Windows CE, das noch zahlreiche Erweiterungen zuläßt.

Doch Sony gibt sich selbstbewußt: "Intel und Microsoft beherrschen nur einen Teil des Marktes", stellte SCEI-Präsident Nobuyuki Idei fest.Gleichzeitig sei die neue Playstation "viel mehr als nur ein Computerspiel.Das ist eine neue Ära im Bereich der computerisierten Elektronik." Und dabei soll eine völlig neue Kunstform helfen: "Musik und Film werden jetzt durch die Computer-Unterhaltung ergänzt", sagte Kutaragi."Wir können die echte Welt simulieren, Verhalten und Reaktionen in Echtzeit erzeugen", versprach er in Tokio.Wie genau die neue Unterhaltung aussehen wird, wollte er noch nicht verraten: "Wir stellen hier nur den Abschluß unserer Entwicklungsarbeiten vor."

Einen Fehler, den Konkurrent Nintendo bei der Einführung seiner 64-Bit-Konsole machte, will Sony auf keinen Fall wiederholen: Das neue Gerät soll erst auf den Markt kommen, wenn auch genug Programme dafür verfügbar sind.Über den Preis wollte Sony noch keine Angaben machen.

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