Zeitung Heute : Sorge in der Zeit

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In Berlin kommt für zwei Tage die erste offene Krebskonferenz zusammen. Wäre es sinnvoll, deutlich mehr Geld in die Krebsforschung zu stecken?

Der Kampf gegen Krebs ist eine der größten Herausforderungen für die medizinische Forschung. Chemotherapie kann das Leben von Krebspatienten verlängern, doch eine Heilung ist durch diese Gabe von Zellgiften nur selten möglich. Die Nebenwirkungen sind beträchtlich, da alle Zellen, ob bösartig oder nicht, angegriffen werden. Hoffnung geben nun neue Wirkstoffe, die zielgenau die Krebszellen ausschalten. Bei Darm und Brustkrebs, bei Leukämie und Lymphomen haben solche Medikamente Erfolge erzielen können.

Forschergeist und die Bereitschaft der Pharmaindustrie, viele Millionen Euro in die Entwicklung von Medikamenten zu stecken, sind darum weiter gefragt. Schließlich geht nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts fast ein Viertel aller Todesfälle auf bösartige Tumore zurück. 2003 starben 110703 Männer und 98552 Frauen an einem Krebsleiden. Dabei dominierten Tumore im Magendarmtrakt oder in der Bauchspeicheldrüse.

Doch mit mehr Investitionen in die Krebsforschung allein ist es nicht getan. Vielmehr kommt es auf eine verbesserte Krebsprävention an. Dafür müssten Ärzte zukünftig besser fächerübergreifend zusammenarbeiten. Zudem ist die Angleichung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisstandards nötig.

Vor allem aber die Patienten selbst sind gefordert: Darmkrebs ist ein Beispiel dafür, dass mit entsprechendem Lebensstil und der Bereitschaft zu Vorsorgeuntersuchungen das Erkrankungsrisiko vermindert werden kann. Da zudem durch Darmspiegelung bösartige Veränderungen im Darm bereits im Frühstadium erkannt werden können, ist die Chance zur Heilung sehr groß. „Drei von vier Karzinomen im Darm können so geheilt werden“, sagte Christa Maar, Präsidentin der Felix Burda Stiftung in Berlin. In 30 Prozent der Fälle liegt bei Darmkrebs eine familiäre Prägung vor, die die Krankheit – anders als sonst üblich – oft schon weit vor dem 50. Lebensjahr ausbrechen lässt. In diesen Fällen ist Vorsorge besonders wichtig. Die Kassen übernehmen bei erblicher Veranlagung die Kosten für die Darmspiegelung auch bei jungen Patienten. Ansonsten gilt dies für Patienten ab dem 55. Lebensjahr. Doch nur 2,2 Prozent der 20 Millionen Berechtigten nahmen im Jahr 2003 diese Möglichkeit wahr, sagt Maar.

Außer der Wahrnehmung des Angebots der medizinischen Voruntersuchung hängt jedoch auch viel vom persönlichen Lebensstil ab. „Mit gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung lassen sich die Risiken erheblich vermindern“, erklärt Oberarzt Matthias Pirlich von der Charité. Studien hätten ergeben, dass die Aufnahme von rund 30 Gramm Ballaststoffen mit der täglichen Nahrung das Risiko von Darmkrebserkrankungen um bis zu vierzig Prozent senke. Regelmäßiger Verzehr von rotem Fleisch kann dagegen das Entstehen von Darmkrebs fördern, ebenso wie Tabak und zu viel Alkohol. Negativ wirken sich auch Übergewicht und Mangel an Bewegung aus. Studien zufolge kann regelmäßige körperliche Aktivität das Darmkrebsrisiko nahezu halbieren.

Berlin, Seite 12

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