Zeitung Heute : Sorglos zum Studium

Mentoren helfen Lateinamerikanern

Christa Beckmann

Sie kommen aus Mexiko, Brasilien, Kolumbien, Peru, Costa Rica und Nicaragua. Knapp 250 junge Frauen und Männer aus Lateinamerika studieren derzeit an der Freien Universität Berlin. Und es sollen deutlich mehr werden. Die Freie Universität, die erst vor wenigen Monaten mit ihrem Zukunftskonzept als internationale Netzwerkuniversität im bundesweiten Exzellenzwettbewerb ausgezeichnet worden ist, will verstärkt um Studenten aus diesem Teil der Erde werben. Dazu startet die Universität eine besondere Kooperation mit Deutschen Auslandsschulen in dieser Region.

„Gerade in Lateinamerika ist Deutschland hoch angesehen“, sagt die Lateinamerika-Referentin der Freien Universität, Stefanie Böhler. „Eltern, die Wert auf Bildung legen, wählen häufig deutsche Schulen für ihre Kinder aus.“ An Angeboten mangelt es nicht. Außerhalb Europas verfügt Lateinamerika über die höchste Dichte an Deutschen Schulen weltweit.

Dennoch: Zum Studium schicken viele Eltern ihren Nachwuchs dann doch lieber auf landeseigene Hochschulen oder in die USA. Rainer Quennet, Leiter der Deutschen Schule im mexikanischen Guadalajara, kennt die Gründe: „In lateinamerikanischen Familien gibt es eine viel engere soziale Bindung als üblicherweise in deutschen Familien. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass 30-jährige junge Männer noch bei den Eltern wohnen und von dort aus die Universität besuchen.“ Entsprechend groß sei die Angst der Familien, dass ihre Kinder an einer Universität im Ausland, an der selbstständiges Arbeiten gefordert wird, nicht zurecht kommen. „Da vertraut man lieber auf das eigene, streng verschulte Hochschul-System. Oder man schickt die Kinder gleich in die USA, wo neben dem Renommee der Hochschulen auch Netzwerke von Betreuungspersonen eine wichtige Rolle spielen, die gerade Studienanfängern einen effizienten Start ins Studium ermöglichen.“

Eine solche Hilfe soll es nun auch in Berlin geben. Künftig wird die Freie Universität Top-Absolventen deutscher Auslandsschulen aus Lateinamerika ein Rundum-sorglos-Paket für einen erfolgreichen Start ins Studium schnüren. Dazu gehören ein elfmonatiges Wohnstipendium als Anschubmotivation, um den jungen Lateinamerikanern die Entscheidung für ein Studium an der Freien Universität Berlin zu erleichtern. Die Studierenden können wählen, ob sie ihr erstes Jahr bei einer Gastfamilie verbringen möchten oder in einem Studentenwohnheim. Sollten sie sich für das Wohnheim entscheiden, bekommen sie dort einen Zimmernachbarn als Mentor an die Hand. Darüber hinaus erhält jeder Studienanfänger aus Lateinamerika einen Tandempartner, der ihn schon vom Flughafen abholt, bei allen Formalitäten unterstützt und mit ihm gemeinsam das Berlin außerhalb der Universität erkundet.

Die Hilfe beginnt aber schon vor dem Studium. Eine Woche lang bekommen die ausländischen Studierenden vorab die Universität und Berlin gezeigt. Wer Interesse hat, kann kostenlos an den Deutschkursen der Internationalen Sommer-Universität teilnehmen, die die Freie Universität jedes Jahr anbietet. Per Broschüre und Internetauftritt können sich auch die Eltern zu Hause über die Betreuungsangebote informieren.

Das Komplettpaket ist Teil einer „Betreuungsinitiative Deutsche Auslands- und Partnerschulen“, die der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) in diesem Jahr mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes startet. 12 Stipendiaten von deutschen Schulen in Mexiko, Kolumbien und Ecuador sollen in diesem Rahmen von 2008 an jährlich für ein Studium an der Freien Universität gewonnen werden, ab 2009 werden sechs weitere Plätze für Studierende aus Brasilien, Argentinien und Peru dazu kommen.

„Unser langfristiges Ziel ist es, das Angebot auch auf deutsche Schulen in Indien und China auszuweiten, also die Regionen, mit denen die Universität schon heute enge Beziehungen unterhält“, sagt Wedigo de Vivanco, Leiter der Abteilung Außenangelegenheiten der Freien Universität. „Und wir wollen uns für Partnerschaften zwischen den deutschen Schulen im Ausland und Berliner Gymnasien einsetzen, um ausländische Schüler schon frühzeitig für ein Studium in Deutschland zu interessieren.“ Mit dem Sorglos-Paket wird das zumindest an seiner Schule in Guadalajara leichter gelingen, davon ist Schulleiter Rainer Quennet überzeugt: „Der Weg der Freien Universität Berlin ist der einzig richtige.“

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