SOUL-POPKatie Melua : England hat den Superstar

Alexandra Distler

Seit einigen Wochen sucht Deutschland samstagabendlich den Superstar. Ist er dann gefunden, ist es meist schnell wieder vorbei mit dem Superstardasein. Die Halbwertszeit dieser vermeintlichen Künstlerkarrieren ist kurz, aber das Jahr darauf folgt ja auch schon die nächste Staffel. Und das nicht nur in Deutschland, fast jedes Land hat die aus den USA importierte Sendung in ihrem Programm.

So auch England, mit dem kleinen Unterschied, dass dort tatsächlich ab und an ernst zu nehmende Künstler und Künstlerinnen gefunden werden. Eine von ihnen ist Katie Melua, die in der Teenie-Casting-Show „Stars Up Their Nose“ mit zarten 15 Jahren Mariah Careys Version von „Without you“ hinlegte und damit ein viel versprechendes Gesangstalent bewies. Mittlerweile sind über zehn Jahre vergangen. Katie Melua wurde 2002 vom englischen Pop- und Balladen- Produzenten Mike Batt für sage und schreibe fünf Alben verpflichtet, um, nach ein paar Startschwierigkeiten, die Batt aber zu meistern wusste, Europa mit stimmgewaltigem Soul- und Blues-Pop zu beglücken.

Letztes Jahr nun erschien Meluas mittlerweile viertes Album „The House“, produziert von William Orbit, der schon bei Madonnas „Ray of Light“ mitmischte und den man wohl eher in der Dance-Ecke verorten würde. Einen oktroyierten Dance-Stempel sucht man in den zwölf Stücken aber vergeblich, und das ist auch gut so. Vielmehr bleibt Katie Meluas außergewöhnliche, äußerst elaborierte Stimme in genreübergreifenden, mal balladigen, mal chansonhaften, dann wieder angerockten Stücken ihr Markenzeichen. Alexandra Distler

O2 World, Mo 28.3, 20 Uhr, 38,50-83 €

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