SOULRaphael Saadiq : Blick zurück nach vorn

Jörg W er

Es ist das Werk eines Fans. Mit „The Way I see it“ hat Raphael Saadiq das konsequenteste, künstlerisch gelungenste Retro-Soul-Album des vergangenen Jahres aufgenommen. Auch wenn die elf Songs bis in die Verästelungen der Arrangements wie eine dezent aufpolierte Essenz der geölten Motown-Hitmaschine klingen, liegt die Platte voll im Trend. Stilsicher bis hin zur Typografie der Coverbeschriftung erweist Saadiq den Soul-Legenden der Sixties eine höchst lebendige Referenz.

Dass seine Stimme nicht ganz mit einem Smokey Robinson oder Marvin Gaye mithalten kann, tut dem Spaß keinen Abbruch, zumal er es durch sorgfältiges Songwriting wettmacht. Obwohl „The Way I see it“ bereits Saadiqs viertes Soloalbum ist, war der 43-Jährige bislang eher ein Mann fürs Kleingedruckte: Im Studio hatte er bei ungezählten R’n’B-Größen von Erykah Badu bis Joss Stone, von D’Angelo bis John Legend seine Hände im Spiel. Der Versuchung, seine guten Verbindungen auszunutzen, hat Saadiq widerstanden. Joss Stone darf mitsingen, Stevie Wonder spielt auf „Never give you up“ Mundharmonika – mehr Fremdeinwirkung hätte der betörenden Homogenität des Albums wohl geschadet. Armselig geriet indes die Vermarktung: Obwohl großartige Songs wie „Sure hope you mean it“, „Love that Girl“ oder „Let’s take a Walk“ mit unwiderstehlichem Groove und schmissigen Melodien einem von Amy Winehouse oder Duffy sensibilisierten Massenpublikum durchaus zu vermiteln wären, verzichtete die Plattenfirma in Europa fast gänzlich auf Werbung. Erst jetzt tourt Raphael Saadiq mit neunköpfiger Live-Band – durch skandalös kleine Clubs. Hingehen! Jörg Wunder

Festsaal Kreuzberg, Mo 12.10., 21 Uhr,

22 € + VVK

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