"Sound Studies" an der UdK : Gang und Klang der Dinge

Der Flur des UdK-Gebäudes schmückt sich nicht mit Skulpturen oder Gemälden, sondern mit Klanginstallationen. Dafür wurde die hausinternen Ressourcen des Studiengangs "Sound Studies" angezapft.

Mareike Blank
Klanginstallation an der UdK.
Draht zur Außenwelt. Telefone übertragen die Geräusche von draußen.Foto: J. Bock

Wie würden Sie Ihren Flur gestalten? Mit Designer-Regalen? Einem Wandbild? Oder einer Skulptur? Im UdK-Gebäude in der Bundesallee, der Heimat der Fakultät Musik und des Berlin Career College, hat man sich für eine Klanginstallation entschieden. Das ist nicht verwunderlich, wenn dafür die hausinternen Ressourcen des Studiengangs „Sound Studies“ angezapft werden können. Seit 2006 gibt es den Studiengang, der Klänge und deren Entstehung, Organisation und Struktur in Raum und Zeit untersucht. Angebunden ist er an das Berlin Career College, das die Weiterbildungsangebote an der UdK Berlin bündelt.

Der lange, lichtdurchflutete Gang im ersten Stock des Gebäudes ist täglich genutzter Durchgangsort. Unter der Leitung ihres Professors Hans Peter Kuhn haben die Studenten der „Experimentellen Klanggestaltung“ Anna Bogner, Jessica Ekomane, Christian Losert, Thomas Meier, Rafael Santiago und Kanari Shirao für diesen Flur sechs höchst unterschiedliche Arbeiten entwickelt, die zusammen den „Gang der Dinge“ – so der Titel der Installation – bilden und die nun dauerhaft zu erleben ist.

„Ausgangspunkt für unsere Arbeiten war die Frage, wie man aus dem nichtssagenden Gang einen Ort der Begegnung schaffen kann und wie wir mit dem Raum klangkünstlerisch umgehen“, erzählen die Künstler bei der Premiere ihrer Installation, die Ende Mai im Rahmen der UdK-Musikfestwochen „crescendo“ gefeiert wurde. Hierfür haben sich die sechs intensiv mit dem Gebäude und seiner Geschichte auseinander gesetzt. So zum Beispiel die Arbeit „Metalepsis 1-6“ von Anna Bogner: Man hört ein Klanggemisch, Kindergeschrei ist zu erkennen und Geschirrklappern, Wasserrauschen und das Umblättern von Buchseiten.

Bogner verwendet Geräusche, die sich auf die Vergangenheit des Gebäudes als Joachimsthalsches Gymnasium beziehen. In dieser Zeit gab es hier eine Aula, eine Bibliothek, eine Mensa, ein Primanerkasino, einen Spielplatz und selbst ein Schwimmbad. So ging sie durch Berlin und sammelte Klänge: im Stadtbad Neukölln, in der TU-Mensa, in der UdK- und TU-Bibliothek und an anderen Orten Berlins. Diese Klänge bringt sie nun zurück an die UdK und lässt so die Geschichte des Hauses seine heutigen Besucher hörbar wiedererleben.

Auch Thomas Meier verschränkt in seiner Arbeit „History Anchor“ Innen und Außen, Vergangenheit und Gegenwart. Drei orangefarbene Wählscheibentelefone, die permanent leise Geräusche von sich geben, stellen beim Abheben der Telefonhörer einen akustischen Draht zum Raum außerhalb des Hauses her.

Die sechs unterschiedlichen Arbeiten sind nun zum „Gang der Dinge“ miteinander verbunden. Sie alle sind täglich zu erleben, aber natürlich nicht gleichzeitig: Ein Zufallsgenerator bestimmt täglich, welches Klangkunstwerk beim Gang durch den UdK-Flur in der Bundesallee zu hören ist.
Während des Rundgangs werden am 12. Juli von 16 bis 19 Uhr Führungen durch die Klanginstallation angeboten.

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