SOUTHERN ROCK Molly Hatchet : Bleibt alles anders

Die meisten großen Bands des Southern Rock wurden nicht gerade vom Schicksal begünstigt: Ob Allman Brothers Band (zwei Tote durch Motorradunfälle), Lynyrd Skynyrd (drei Tote durch Flugzeugabsturz) oder Marshall Tucker Band (ein Toter durch Autocrash), irgendwann forderte der Sensenmann seinen Tribut für die lustbetonte südstaatliche Lebensart. Als relative Späteinsteiger blieben Molly Hatchet aus Jacksonville in Florida von schaurigen Unglücksfällen verschont. Dabei hatten sie schon in Namensgebung – die Band benannte sich nach einer Prostituierten aus dem 17. Jahrhundert, die ihre Kundschaft zu enthaupten pflegte – und den bluttriefenden Motiven ihrer LP-Cover reichlich morbide Bezugspunkte ausgelegt.

Musikalisch pflegten Molly Hatchet stets eine etwas härtere Gangart als die meisten ihrer Kollegen, was die geniale Coverversion des Allman-Brothers- Songs „Dreams I’ll never see“ von ihrem 1978 erschienenen Debütalbum exemplarisch belegt: Im Original eine Bluesrock-Meditation mit zarten Orgel- und Gitarrensoli, machten die sechs Kraftpakete daraus eine funkensprühende Hardrock-Jam, bei der die drei Leadgitarren lustvoll um die Wette jubilierten. Dass von der Originalbesetzung mittlerweile nur noch Gitarrist Dave Hlubek dabei ist, hört man kaum: Bobby Ingram hatte schon 1980 als Sänger das Erbe von Danny Joe Brown angetreten, der 2005 gestorben ist – wie man hört, unter natürlichen Umständen. Molly Hatchet sind der Prototyp der veränderungsresistenten Rockband und damit ideale Repräsentanten eines Genres, das ohnehin eher auf Wertbeständigkeit als auf Innovation setzt. Und weil sie nicht gestorben sind, rocken sie noch heute. Jörg Wunder

C-Club, Do 16.12., 21 Uhr, 27 € + VVK

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