Zeitung Heute : „Sozialkompetenz verhindert Fehler schon beim Start“

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Frau Klinkner, das Koblenzer Fernstudienangebot „Sozialkompetenz“ ist bundesweit einmalig. Hilft das Studium auch bei der Einarbeitung in einen neuen Job?

Wenn jemand den Einstieg in eine neue Aufgabe und Position finden will, zählt nicht allein das Fachwissen. Erfolgreiches Handeln , auf das es in der Probezeit ja besonders ankommt, setzt immer auch

Sozialkompetenz voraus, etwa in Form von selbstsicherem Auftreten, von Teamfähigkeit, Motivationskraft, Kooperationsbereitschaft oder auch der Fähigkeit zur Konfliktbewältigung. Mit unserem Studienangebot möchten wir den Erwerb und die Vertiefung sozialer Kompetenzen fördern und die Studierenden bei der Ausbildung ihrer Fähigkeiten unterstützen.

Selbstsicheres Auftreten ist lernbar?

Nur wer seine eigenen Stärken und Schwächen einmal systematisch gegenübergestellt und die Bedürfnisse seines Arbeitgebers oder seiner Kollegen methodisch analysiert hat, kann auch sein eigenes Verhalten richtig einschätzen. Und wer dann im Rollenspiel hautnah die Bandbreite möglicher Reaktionen auf sein Handeln und seine Wirkung auf andere erfahren hat, entwickelt das notwendige Rüstzeug für erfolgreiche Kommunikation. Selbstwahrnehmung ist die Vorstufe von Selbstvertrauen. Und das wiederum ist die Voraussetzung, Ereignisse richtig einzuschätzen.

Noch einmal zurück zum Mitarbeiter in der Probezeit. Für ihn geht es ja nicht nur darum, alles richtig zu machen. Er muss ja auch herausfinden, ob der neue Job der richtige für ihn ist. Vielleicht wird ihm ja zuviel oder zu wenig abverlangt?

Das überhaupt erkennen zu können, setzt ebenfalls Sozialkompetenz voraus. Man muss zum Beispiel Unsicherheitsgefühle, die bei einer neuen Aufgabe in noch fremder Umgebung ganz natürlich sind, richtig einordnen können. Einerseits ist eine Portion Mut erforderlich, um sich mit Fragen an die neuen Kollegen zu wenden. Andererseits kann man sich auch schnell in die Nesseln setzen: etwa mit einer unbedachten Bemerkung oder auch der vorschnellen Preisgabe eines Know-how-Defizits. Sozialkompetenz bedeutet hier, möglichst viele Rahmenbedingungen ins Kalkül zu ziehen.

Vorsichtiges Ausloten hört sich nicht unbedingt selbstbewusst an.

Um erfolgreich sein zu können, muss man die eigenen Grenzen und die der anderen schon im Blick haben. Das bedeutet ja nicht, dass man sie nicht überschreiten kann. Aber nach Art einer Dampfwalze? Erst einmal hineinschnuppern und schauen, was und wie es die anderen machen, ist wahrscheinlich sinnvoller. Wer die richtigen Sensoren entwickelt hat, findet schon einen Weg, seine Ideen

einzubringen und durchzusetzen.

Die Fragen stellte Christine Schreiber

Margot Klinkner ,

40, promovierte Diplompädagogin an der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (www.zfh.de). Dort wird ein Fernstudium „Sozialkompetenz“ angeboten.

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