Zeitung Heute : Spät, aber nicht zu spät

Auch ab 50 lässt sich noch eine attraktive Zusatzrente ansparen. Dafür muss man allerdings deutlich mehr Geld als junge Sparer zurücklegen

Susanne Meunier

Den Zinseszinseffekt bezeichnet der Wirtschaftsweise Bert Rürup gern als das „achte Weltwunder“. Wer in jungen Jahren mit einer zusätzlichen Altersvorsorge beginnt, profitiert nämlich automatisch von dieser „Geld-Vermehrungsmaschine“: Über viele Jahre kann ein immer wieder angelegter Zins auf eine Kapitalanlage auch aus kleinen Sparraten ein ansehnliches Vermögen machen.

Im Umkehrschluss hat jemand, der erst ab 40 Jahren oder gar jenseits der 50 mit dem Sparen fürs Alter anfängt, davon viel weniger, denn seine Zeit bis zur Rente ist kürzer. Was einem dann an Zeit fehlt, kann man ausgleichen, indem man mit hohen Raten ins Sparen einsteigt. Auch auf diese Weise kann eine attraktive Zusatzrente zustande kommen.

Riester-Rente für Ältere gut. Wegen der umfassenden staatlichen Förderung ist bei einem Riester-Vertrag immer eine positive Rendite möglich, selbst wenn die Sparanlage überhaupt keine Erträge erwirtschaften würde. Ältere Sparer ab 50 Jahren sollten bei ihren Riester-Verträgen vornehmlich auf sichere Anlagen setzen, allen voran auf Riester-Banksparpläne. Bei diesen Zins-Anlagen geht es mit der Wertentwicklung immer aufwärts. Banksparen bringt um die fünf Prozent pro Jahr, wie eine Untersuchung der Zeitschrift Finanztest im März 2005 gezeigt hat.

Die Garantieverzinsung einer klassischen Riester-Rentenversicherung macht im Vergleich dazu nur 2,75 Prozent aus. Diesen Zins gibt es auch nur auf den Sparanteil nach Abzug der Kosten. Zwar kann eine zusätzliche Überschussbeteiligung die Gesamtverzinsung für den Kunden noch verbessern. Die ist ihm aber nicht sicher. Gibt es eine Überschussbeteiligung, dürfte sie angesichts der noch immer schwachen Ertragssituation der Lebensversicherer auch kaum die eines Banksparplans schlagen.

Betriebsrente noch möglich . Auch der Einstieg in eine betriebliche Altersversorgung kann sich für ältere Mitarbeiter noch lohnen. Allein 2005 können sie hier bis fast 4 300 Euro steuerfrei für ihre Rente sparen. Selbst wenn es bis zum Beginn des Ruhestands nur noch zehn Jahre oder sogar weniger sind, kann hier noch einiges zusammenkommen, zumal Ältere ihren Arbeitsplatz bis zur Rente oft nicht mehr wechseln.

Ältere Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig sind, können über die neue Rürup-Rente steuerbegünstigt für ihre Rente sparen. Denn die Riester-Förderung können sie genauso wenig nutzen wie Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge. Bis zu einem Höchstbetrag von 12 000 Euro bei Alleinstehenden (24 000 Euro bei Ehepaaren) können sie hier in diesem Jahr steuerlich geltend machen.

Investmentfonds. Alle weiteren Geldanlagen – beispielsweise Investmentfonds – sind rein privater Natur. Hier steuert der Staat nichts bei. Die Rendite muss die Geldanlage wirklich selbst abwerfen. Ältere Sparer brauchen auch hier vor allem sichere Geldanlagen für die Rente. Sie können sich generell weniger Risiken leisten als junge Leute, weil sie keine Zeit mehr haben, beispielsweise Börsentiefs auszusitzen und zu warten, bis sich die Kurse ihrer börsennotierten Anlagen wieder erholen.

Doch ganz auf Investitionen dieser Art sollten auch ältere Anleger nicht verzichten. Dazu sind deren Vorteile zu groß: So verfügen Sparer mit Investmentfonds über eine sehr flexible Anlageform. Sie können einen oder mehrere Fonds besparen, am besten monatlich und ihre Sparraten jederzeit stoppen, senken oder erhöhen, auch auflösen. Fondsanlagen bieten allerdings so gut wie nie Garantien. Um höhere Sicherheit zu haben, sollten ältere Sparer auch auf Kosten von Renditechancen auf gemischte Fonds setzen, die nur teilweise in Aktien, dafür mehr in Zinspapiere investieren oder sich auf reine Rentenfonds spezialisieren.

Bei Rentenfonds fallen allerdings wie bei allen Festzinsprodukten Steuern auf Zinsen an, sobald diese den Sparerfreibetrag übersteigen. Für Alleinstehende gilt derzeit ein Sparerfreibetrag von 1421 Euro, für zusammenveranlagte Ehepaare von 2842 Euro pro Jahr.

Rentenversicherungen. Eine Geldanlage, bei der Sparer sich keine Gedanken um eine mögliche Überschreitung des Sparerfreibetrags machen müssen, ist eine private Rentenversicherung. Außerdem ist das Geld hier sehr sicher angelegt, jedenfalls wenn es sich beim ausgewählten Produkt um eine klassische Variante mit Garantieverzinsung handelt. Bei der Auszahlung ist eine Rentenversicherung steuerlich betrachtet ebenfalls sehr günstig, denn von der monatlichen Rente ist für das Finanzamt nur der so genannte Ertragsanteil entscheidend. Seine Höhe hängt vom Renteneintrittsalter des Kunden ab. Wird die erste Rente beispielsweise ausgezahlt, wenn er 65 Jahre alt ist, beläuft sich der Ertragsanteil durchgängig auf 18 Prozent. Von 500 Euro Rente wären 90 Euro steuerpflichtig.

Eine Rentenversicherung kann man mit laufenden Beiträgen ansparen oder gegen Einmalbeitrag eine so genannte Sofortrente erwerben, beispielsweise auch erst mit 65 Jahren. Die Ertragsaussichten sind bei Lebensversicherungsprodukten, zu denen Rentenversicherungen gehören, derzeit aber sehr mager. Hier drückt zudem die steigende Lebenserwartung die Renten, denn die Versicherungsunternehmen verwenden seit Jahresbeginn eine neue so genannte Sterbetafel. Das Problem, dass ein Altersruhegeld länger reichen muss, wenn ein Rentner sehr alt wird, gibt es allerdings bei jeder Geldanlage.

Für die Immobilie zu spät? Kein Problem ist das nur für jemanden, der sich eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus kauft. Hier spart er nicht, sondern er verschuldet sich normalerweise erst einmal wegen der Finanzierung der Immobilie. Doch auch das läuft auf eine Zusatzrente hinaus, weil die Miete entfällt, sobald die Immobilie abbezahlt ist.

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung in guter Lage zu einem angemessenen Preis kommt deshalb für Menschen jenseits der 50 Jahre genauso in Betracht wie für jüngere. Wie jeder sollten sie jedoch so viel Eigenkapital mitbringen, dass sie spätestens bis zum Rentenbeginn schuldenfrei sind. Ein gewisses Vermögen sollte also schon beim Kauf vorhanden sein. Wenn nicht, dürfte die Finanzierung schon daran scheitern, dass die meisten Kreditinstitute abwinken.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben