Zeitung Heute : Spandau hält an Mehrzweckhalle fest

Urban Media GmbH

Von Rainer W. During

Spandau. Die Siemens AG und das Bezirksamt geben die Pläne für eine Mehrzweckhalle in Spandau nicht auf. Nach dem Rückzug des finnischen Investors Harry Harkimo verhandelt der Konzern gegenwärtig mit anderen, potentiellen Investoren, bestätigte eine Firmensprecherin dem Tagesspiegel auf Anfrage. Die Arena soll, eventuell in verkleinerter Form, doch noch gebaut werden. Harkimo ist bereit, dann auch mit seiner Erfahrung für das Management zur Verfügung zu stehen.

Wie berichtet, hat der Bezirk bereits die Vorgenehmigung für eine Mehrzweckhalle mit 18000 Besucherplätzen, eine angrenzende Trainingshalle, Parkhaus, Bürogebäude und Hotel erteilt. Damit liegt man in Spandau planungsrechtlich rund ein Jahr vor dem Konkurrenzprojekt des amerikanischen Milliardärs Philip Anschutz am Ostbahnhof in Kreuzberg-Friedrichshain. Die Grundsteinlegung war für Januar geplant. In der 125 Millionen Euro teuren Arena sollten ab Herbst 2003 jährlich etwa 150 Sportveranstaltungen, Konzerte und Firmenevents stattfinden.

Nur eine Arena in Berlin gilt als wirtschaftlich tragfähig. Vor diesem Hintergrund hatte der Senat zunächst erklärt, die Halle werde derjenige bauen, der zuerst die nötigen Vorraussetzungen geschaffen hat. Dennoch wurde von der Hauptverwaltung kein Hehl daraus gemacht, dass man den innerstädtischen Standort favorisiert. Anschutz betonte daraufhin, dass er sein Projekt auch nach einem Baubeginn in Spandau weiter verfolgen werde. Als Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) kein Veto gegen die zweite Halle einlegte, warf Harkimo wegen des unkalkulierbaren finanziellen Risikos im Dezember das Handtuch.

Spandaus Baustadtrat Carsten Röding (CDU) hat seitdem immer wieder die Vorteile des nahe zum Messegelände gelegenen Standortes in Siemensstadt betont. Im Gegensatz zum Ostbahnhof sind in Spandau keine groß dimensionierten Einzelhandelsflächen vorgesehen. Mit U-Bahnhof und 3000 Parkplätzen gilt die Erschließung als ideal. Eine weitere, aus Sicht des Bezirks „unverträgliche“ Konzentration in der Innenstadt wird vermieden.

„Da wir nach wie vor das Baurecht für eine Arena mit 18000 Plätzen haben, halten wir an der Idee weiter fest, auf dem Gelände eine Halle welcher Art auch immer zu bauen“, sagte Siemens-Sprecherin Ilona Thede. Zur Zeit werde mit interessierten möglichen Investoren und Betreibern verhandelt, auch mit dem Bezirksamt stehe man in regelmäßigem Austausch. „Noch haben wir aber kein spruchreifes Projekt.“

So wird die Abräumung des rund 100000 Quadratmeter großen Geländes an der Paulsternstraße fortgesetzt und steht kurz vor dem Abschluss. Wie berichtet, hatten 120 Kleingärten und ein Teil von Old Texas Town dem geplanten Hallenprojekt weichen müssen. Die Mainstreet der Westernstadt mit dem Saloon sollte in das Erlebniskonzept der Siemens-Arena integriert werden. Unabhängig davon beginnt hier am 2. März wieder der Publikumsverkehr, ab April gibt es dann jeden ersten Freitag im Monat von 18 bis 22 Uhr sowie jeden ersten Sonnabend von 19 bis 2 Uhr Westernromantik mitten in Berlin (Anmeldung unter Tel. 3822444).

Siemens steht weiter bereit, die Halle als Namensgeber mit zu finanzieren, heißt es aus dem Konzern. Und Harry Harkimo, der in Helsinki erfolgreich die Hartwall-Arena betreibt und in Hamburg die Color-Line-Arena (Eröffnung am 8. November) baut, „steht grundsätzlich für das Management einer Arena in Siemensstadt zur Verfügung“, erklärte Ilona Thede. Wenn es gelinge, kurzfristig einen neuen Investor zu finden, „könnten wir fertig sein, bevor Anschutz sein Gelände überhaupt geräumt hat“, so die Sprecherin.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!