Zeitung Heute : Spanien – Tunesien 3 : 1

Gottlieb-Daimler-Stadion Stuttgart, 19. Juni 2006, 52 000 Zuschauer

Tim Jürgens

Wie jede ordentliche Corrida wurde auch diese Schlacht von Musik begleitet: Als Einleitung gab es nicht nur den von der Fifa in jedem WM-Stadion mit soldatischer Genauigkeit abgespielten Mix aus Herbie Grönemeyer, Robbie Williams und Atomic Kitten, sondern auch die Evergreens „Viva Espana“ und „Volare“. Das brachte sogar die tunesischen Fans aus dem Häuschen. Während des Spiels trötete ein spanischer Fan unterm Dach in Block 21 auf seiner Klarinette Stadionschlager wie „Steht auf, wenn ihr Dingsbums seid“ und „Olé, Olé, Olé“. Als in der 41. Minute der große Regen einsetzte, untermalte ein einsamer Trommler in der Untertürkheimer Kurve den spanischen Sturmlauf mit seinem strammen Marsch – und erhöhte so die Dramatik. Und als es den spanischen Matadoren gelungen war, den tunesischen Stier nach rund 80 Minuten allmählich zu erlegen, kommentierten die Fans jede Ballberührung ihres Teams mit einem zackigen „Olé“. Das flinke Direktpassspiel brachte jedoch selbst das Rhythmusgefühl der Spanier schnell aus dem Takt. Wie auch immer, die Sieger in der Arena bedankten sich artig mit einem stolzen Diener. Das besonders ehrenvolle Ohr des Erlegten erhielten die Matadore am Ende aber nicht.

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