Zeitung Heute : Sparsame Erleuchtung

Ab 1. September kommen keine neuen 75-Watt-Glühbirnen auf den Markt. Verbraucher müssen die Fassung deshalb nicht verlieren

Der Letzte macht das Licht aus – aber welches? Die Kennzeichnung der neuen Glühbirnen ist noch sehr gewöhnungsbedürftig. Fest steht: Wer warmes Licht möchte, muss auf den Rotanteil achten. Er muss überwiegen, die Kelvinzahl also niedrig sein. Bisquitporzellan schafft den gleichen Effekt, ganz gleich mit welchem Leuchtmittel. Foto: Promo K-Meral/txn
Der Letzte macht das Licht aus – aber welches? Die Kennzeichnung der neuen Glühbirnen ist noch sehr gewöhnungsbedürftig. Fest...

Die Leuchte „Bulb“ von Ingo Maurer ist ein Klassiker. Sie hat die Form einer überdimensionalen Glühbirne. Der Designer entwarf sie 1966, inspiriert von einer 15-Watt-Funzel, die in einem Hotelzimmer in Venedig über ihm baumelte. Heute wirkt die Leuchte wie ein Relikt aus vergangenen Tagen, wie eine Technik aus längst vergangener Zeit.

Weil Glühbirnen als Temperaturstrahler nur fünf Prozent der verwendeten Energie in Licht umwandeln und den Rest als Wärme abgeben, entschloss sich die EU zu einem schrittweisen Abschied von der Glühbirne. Seit vergangenem Jahr sind klare 100-Watt-Glühlampen nicht mehr auf dem Markt, ab dem 1. September 2010 folgen Glühlampen mit mindestens 75-Watt, ab 1. September 2011 solche mit mindestens 60-Watt. Matte Glühbirnen sind wegen ihrer besonders hohen Ineffizienz bereits aus den Geschäften verschwunden. 2012 sollen dann die 25- und 40-Watt-Modelle folgen.

Doch weder Kronleuchter noch Designerlampen verlieren durch den Abschied der Glühlampe ihre Strahlkraft, verspricht Andreas Lang, Sprecher von licht.de, dem Online-Portal der Fördergemeinschaft Gutes Licht. „Der Markt hat für alle herkömmlichen Glühbirnen Alternativen“, sagt er. So gibt es unter dem Namen Retrofit bereits LEDs in Glühbirnenform. Auch die kerzenartigen Birnen für Kronleuchter gibt es bereits als energiesparende Variante.

Doch leuchten sie tatsächlich so hell, wie wir es gewohnt sind? „Weniger entscheidend als die Watt-Zahl sind für Lichtdesigner lichttechnische Größen wie etwa die Lumenzahl“, erklärt Andreas Lang. Diese Einheit bezeichnet die Lichtmenge, die eine Leuchte ausstrahlt, während sich die Wattzahl nur auf die aufgewendete Energie bezieht. Die Lumenzahl einer Glühbirne lässt sich auch durch Halogenglüh- oder Energiesparlampen sowie LEDs erreichen.

Trotzdem sieht der „Lichtpoet“ Ingo Maurer, dessen Leuchten noch bis zum 30. August im Bauhaus Archiv Berlin unter dem Titel „Lieferung mit Leuchtmittel – Licht von Ingo Maurer“ ausgestellt werden, düstere Zeiten anbrechen. Er ist ein großer Kritiker des durch die EU erlassenen Verkaufsverbots der Glühlampe. „Die Sparglühbirne wird uns nicht glücklich machen, so raffiniert sie auch sein mag. Unsere emotionale Stabilität ist an die Glühbirne gebunden“, sagte er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Auf der Mailänder Möbelmesse stellte Maurer für Freunde der matten Birne das „Euro Condom“ vor, einen Silikonüberzug, mit dem klare in matte Lampen verwandelt werden. „Schützen Sie sich vor dummen Regeln. Benutzen Sie das Euro Condom“, so Maurers Slogan. Dabei richtet sich seine Kritik mehr gegen die vermeintliche Bevormundung als gegen energiesparende Alternativen. Der Designer präsentierte auf der diesjährigen Fachmesse „Light + Building“ in Frankfurt die Hängeleuchte „Flying Future“. Darin verwendet er die von der Firma Novaled entwickelten OLED-Module, eine Technologie, die derzeit vor allem für Displays verwendet wird. Auf der Messe ließ sich auch beobachten, wie Gestalter archetypische Leuchtenformen wiederentdecken, um trotz neuer Technologien die Stimmung des Vertrauten wiederzugeben. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie die klassische Glühbirnenform zelebrieren. Das Stockholmer Designstudio „Form Us With Love“ entwarf die „Work Lamp“, eine Leuchte, die den rauen Charme einer Baustellenlampe aufgreift. Das birnenförmige Leuchtmittel hängt wie ein seltenes Tier in einem Metallkäfig. Auch der Lampenschirm erlebt ein Revival, beispielsweise bei dem Modell „Twiggy“, das Marc Sadler für die italienische Firma Foscarini entwarf. Die bei vielen Verbrauchern noch mit Vorbehalten behaftete Energiesparlampe wird vom Lampenschirm verborgen und das oft als kalt empfundene Licht optisch „angewärmt“.

Die Designer Steffen Kehrle und Julia Landsiedl verbergen bei ihrer Leuchte „Eraser“ das Leuchtelement in einem Kubus, der in einen Aluminiumquader geschoben wird. Dadurch wird das Licht der Energiesparleuchte dimmbar.

Eine neue Kennzeichnungspflicht wird ab dem 1. September dem Verbraucher den Weg durch den Lampendschungel weisen und hoffentlich für Erleuchtung sorgen. Auf den neuen Verpackungen soll zum Beispiel die Farbtemperatur vermerkt sein. Liegt die Farbtemperatur unter 3300 Grad Kelvin, leuchtet die Energiesparlampe in Warmweiß. Wenn es länger als eine Sekunde dauert, bis das Leuchtmittel 60 Prozent seines Lichtstroms abgibt, muss auch dies auf der Packung stehen. Viele der Angaben seien für die Kunden schwer verständlich, kritisierte Gerd Billen, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), und plädierte für ein neutrales Siegel wie den „Blauen Engel“. Der Verbraucherschützer forderte die Händler auf, dazu beizutragen, „dass die Energielampe nicht zu einem Ärgerthema wird“. Der vzbv und das Umweltbundesamt forderten wegen der steigenden Zahl von Energiesparlampen auch Verbesserungen beim Entsorgen der Produkte, die wegen ihres – wenn auch geringen – Quecksilbergehalts nicht in den Hausmüll dürfen.

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