Zeitung Heute : Spaß am Essen

Wer sich frühzeitig ausgewogen ernährt, braucht im Alter nicht die Folgen falscher Ess- und Trinkgewohnheiten zu fürchten

Silke Zorn

„Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“ – so sah es zumindest der Dichter Wilhelm Busch vor über hundert Jahren. Ernährungswissenschaftler von heute würden ihm wohl nicht uneingeschränkt zustimmen. Denn gerade im Alter machen sich die Folgen falscher Ess- und Trinkgewohnheiten ganz besonders bemerkbar.

Ein Grund hierfür: Mit zunehmendem Alter verringert sich der Kalorienbedarf - zwischen dem 55. und 75. Lebensjahr um 15 Prozent, ab 75 Jahre um weitere zehn Prozent. Wer trotzdem weiter isst wie bisher, hat schnell mit Übergewicht zu kämpfen. Dabei sollten sich Senioren nicht nur aus Eitelkeit bemühen, ihr Normalgewicht zu halten. Wer keine überflüssigen Pfunde mit sich herumträgt, lebt zufriedener und aktiver, schont die Gelenke, entlastet den Stoffwechsel, regt Herz und Kreislauf an.

Nicht nur falsche Essgewohnheiten können zu Ernährungsproblemen führen. Während manch lebensfroher Jung-Senior eher zu viele Kilos ansetzt, geht im hohen Alter häufig der Appetit verloren, etwa weil Geschmacks- und Geruchssinn nachlassen, oder man mit den Nebenwirkungen von Medikamenten, einer schlechten Verdauung oder den dritten Zähnen zu kämpfen hat. Oft trägt auch Einsamkeit dazu bei, dass das Essen keinen Spaß mehr macht.

Umso wichtiger ist es für ältere Menschen, sich bewusst um eine gesunde Ernährung zu bemühen. Dabei gilt zunächst, genau wie bei Jüngeren: Ausreichend Eiweiß und Kohlenhydrate braucht der Körper, bei Fett ist dagegen Vorsicht angesagt. Gute Einweißlieferanten sind mageres Fleisch und Fisch – der noch dazu wertvolle Omega3-Fettsäuren enthält –, außerdem Milchprodukte, Eier und Tofu. Kohlenhydrate finden sich in allen pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide und Getreideprodukten, Kartoffeln, Gemüse und Obst. Wer ungesundem Fett aus dem Weg gehen will, sollte für die Zubereitung von Speisen kalt gepresste Pflanzenöle wie Oliven-, Sonnenblumen- oder Distelöl verwenden. Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig und an zahlreichen Körperfunktionen beteiligt. Vor allem Obst, Gemüse und Vollkornprodukte liefern die wertvollen Nährstoffe, aber auch Fisch, Fleisch, Eier und Milcherzeugnisse. Wer sich ausgewogen ernährt, kann auf zusätzliche Vitaminpräparate übrigens getrost verzichten. Unter Umständen können sie sogar gesundheitsschädlich sein, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Öko-Test. Bei allen getesteten Vitaminprodukten waren einzelne oder sogar mehrere Komponenten überdosiert. Kein Präparat enthielt Wirkstoffe, die eine gute Ernährung nicht ebenso liefern könnte. Das Fazit der Verbraucherschützer: Gesunde Senioren, die ausgewogen essen, können sich die Pillen sparen. Bei echten Mangelerscheinungen, etwa durch Medikamente, sollte ein Arzt feststellen, welche Vitamine fehlen und ein passendes Präparat verordnen.

Viele ältere Menschen kochen nicht selbst, sondern werden im Altersheim oder von mobilen Essensdiensten verpflegt. Auch sie können versuchen, ihre Mahlzeiten möglichst gut zu kombinieren und auf eine gesunde Mischung zwischen Fleisch, Fisch, Eiern, Kartoffeln, Nudeln und reichlich Obst, Gemüse und Salat zu achten. Für gesundes Essen in Alten- und Pflegeeinrichtungen setzt sich derzeit auch das Projekt „Fit im Alter“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ein, das Fortbildungen und Informationsveranstaltungen für Heimleiter, Hauswirtschafter, Köche und andere Interessierte anbietet.

Doch nicht nur Essen ist wichtig. Trinken, trinken, trinken – mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag – lautet die Devise. Damit haben gerade ältere Menschen häufig Probleme, weil im Alter das Durstgefühl nachlässt. Wer sich jeden Tag zwei Flaschen stilles Mineralwasser in Sichtweite aufstellt, wird regelmäßig ans Trinken erinnert. Alternativ bieten sich Kräuter- und Früchtetees oder verdünnte Fruchtsäfte an. Außerdem kann es hilfreich sein, eine „Trinkroutine“ einzuführen: Trinken nach dem Aufstehen, zu jeder Mahlzeit, nach körperlichen Aktivitäten und noch einmal vor dem Einschlafen.

Übrigens: Gegen einen Rotwein á la Wilhelm Busch oder ein gelegentliches Bier haben auch Ernährungsexperten nichts einzuwenden – sofern keine Medikamente eingenommen werden, die sich mit Alkohol nicht vertragen, und sofern das „Gläschen in Ehren“ nicht überhand nimmt.

Informationen: Eine Info-Broschüre zur „Ernährung im hohen Alter“ gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) heraus: DGE-MedienService, Bornheimer Straße 33 B, 53111 Bonn, Telefon: 0228/9092626 oder online unter: www.dge-medienservice.de (Kosten: 2,50 Euro zzgl. Versand); Deutsches Ernährungsberatungs- und Informationsnetz (DEBInet): www.ernaehrung.de (unter Ernährungstipps/Ernährung im Alter). Das Öko-Test-Heft „Happy Aging“ mit Ernährungstipps und Vitaminpräparate-Test gibt es für 3,90 Euro am Kiosk.

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