SPD : Auf der Suche nach dem Aha-Effekt

Höchstwahrscheinlich Ursula von der Leyen, womöglich Wolfgang Schäuble – oder vielleicht doch noch Norbert Lammert? Gebannt verfolgte die SPD-Führung am Mittwoch den Kandidatenfindungsprozess in der schwarz-gelben Koalition.

Stephan Haselberger

Von der Entscheidung der Regierungspartner über die Nachfolge von Horst Köhler im Amt der Bundespräsidenten hängt für die Sozialdemokraten einiges ab. Noch vor wenigen Tagen hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel die Nominierung eines eigenen Bewerbers angekündigt, sollten Union und FDP einen Kandidaten aufbieten, der klar im schwarz-gelben Lager verhaftet ist. Dieses Kriterium trifft aus Sicht der Genossen sowohl auf Arbeitsministerin Leyen und Finanzminister Schäuble als auch auf Bundestagspräsident Lammert zu.

Dennoch wurde in der SPD am Mittwoch nicht mehr völlig ausgeschlossen, auf einen Gegenkandidaten zu verzichten. Vor allem im Fall einer Kandidatur Leyens dürfte es schwierig werden, eine zugkräftige Persönlichkeit zu gewinnen. Die Erfolgschancen stehen ohnehin schlecht: In der Bundesversammlung verfügt Schwarz-Gelb über eine klare Mehrheit. Leyen, die in der Bevölkerung überaus beliebt ist, könnte darüber hinaus Unterstützung aus den Reihen von SPD, Grünen und Linkspartei erhalten. In diesem Fall sähen sich Gabriel und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier mit dem Vorwurf konfrontiert, die eigene Partei in eine absehbare Niederlage geführt zu haben.

Aufgegeben haben Gabriel und Steinmeier die Suche aber mitnichten. Wer einen guten Vorschlag zu machen habe, solle ihn nicht über die Medien unterbreiten, sondern einen der beiden Spitzengenossen anrufen, hieß es in einer internen Telefonkonferenz. Das Anforderungsprofil von Gabriel an den oder die Bewerberin ist freilich hoch: Er oder sie sollte möglichst nicht aus der Parteipolitik stammen, müsste von SPD und Grünen gemeinsam getragen werden können und sollte in der Öffentlichkeit so etwas wie einen Aha-Effekt auslösen. Und noch eine Eigenschaft wäre von großem Vorteil: Risikobereitschaft. Vielleicht hat Gabriel ja schon einen Anwärter im Sinn.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!