Zeitung Heute : Spende weltweit

Transparenz bei den Hilfsorganisationen: Wie kontrollieren andere Staaten die bei ihnen tätigen Spendensammler?

Jana Tschitschke Christine Knust
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In fast allen Ländern der westlichen Welt sammeln Spendenorganisationen Gelder für gemeinnützige Zwecke. Die Kontrolle der Organisationen ist von Land zu Land unterschiedlich. Einige setzen auf staatliche Kontrollen, andere auf Gütesiegel privater Stiftungen, wieder andere auf maximale freiwillige Transparenz.

Da es in den USA kein Steuergeheimnis für gemeinnützige Einrichtungen gibt, können alle Informationen über Spendenorganisationen der Öffentlichkeit direkt zugänglich gemacht werden. Jedes Institut muss für das Finanzamt das sogenannte IRS-Formular 990 ausfüllen. Darin finden sich unter anderem Angaben zu Vorstandsgehältern, Spendenaufkommen und Ausgaben. Die geprüften Informationen sind in einer Online-Datenbank namens „Guidestar" zugänglich. Sie erfasst derzeit etwa 1,7 Millionen Organisationen.

Zusätzlich zu den Daten, die durch das IRS-Formular angegeben werden, können die eingetragenen Organisationen freiwillig weitere Informationen hinzufügen. Je transparenter die Organisation arbeitet, desto erfolgreicher ist sie möglicherweise beim Spendensammeln. Insofern nutzt das amerikanische Kontrollmodell eine Art Marktmechanismus – die positive Konkurrenz um Transparenz und Informationsbereitschaft. In Deutschland wird derzeit an dem Aufbau einer Online-Datenbank nach amerikanischem Vorbild gearbeitet. Von der Transparenz in den USA wird diese Datenbank jedoch wegen der viel strengeren Gesetzeslage zum Steuergeheimnis weit entfernt bleiben.

Eine moderne Rechnungslegung und Kontrolle existiert ebenso in Großbritannien. Die staatliche „Charity Commission“ reguliert und registriert alle Wohltätigkeitsorganisationen. Entsprechend des „Statement of Recommended Practice“ (SORP) muss jede noch so kleine spendensammelnde Organisation einen Bericht darüber erstellen, was sie tut und wofür sie das Spendengeld ausgibt. Diese Abrechnung verpflichtet die Institute, vor allem ihre Ausgabeposten detailliert aufzuschlüsseln. So können Kosten und Nutzen besser miteinander verglichen werden. Das macht wiederum ein „Benchmarking“ möglich, dass die Messung der Effizienz einer Organisation erleichtert und sie mit anderen vergleichbar macht.

In der Schweiz hat sich die unabhängige Stiftung Zewo der Förderung von Transparenz im Spendenwesen verschrieben. Sie untersucht, ob gemeinnützige Organisationen korrekt mit Spendengeldern umgehen. Nur wenn die Ansprüche der Zewo erfüllt werden, erhalten die Organisationen ein Gütesiegel für den sorgfältigen, effektiven und ethisch korrekten Einsatz von Spenden. Trägt eine Organisation das Zewo-Siegel, wird in regelmäßigen Abständen überprüft, ob sie die Richtlinien auch weiterhin einhält.

Rupert Graf Strachwitz, Direktor und Geschäftsführer des Maecenata-Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft, Berlin, sagt: „Das kostenpflichtige Zewo-Gütesiegel lohnt sich nur für große Organisationen. Dass eine Spendenorganisation kein Siegel hat, heißt nicht unbedingt, dass es dort mit krummen Dingen zugeht.“ Die wichtigste Zertifizierung, betont Strachwitz, sei die öffentliche Beteiligung wie zum Beispiel in den USA. „In Deutschland muss die Verwendung von Spendengeldern viel transparenter werden“, erklärte er dem Tagesspiegel.

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