Zeitung Heute : Spiegeleier zu Handtaschen

Für das Label „Unikat“ gibt es keine Form, die es nicht gibt

Maren Sauer

Das Paradies für Frauen, die Geldbörse, Timer, Lippenstift und Handy nicht in irgendeinem Behältnis verstauen wollen, befindet sich nahe der Oranienburger Straße und heißt „Unikat". Aus gutem Grund, denn schon als Constance Hildebrandt und Katrin Fischer im November 2000 begannen, Taschen zu entwerfen, wussten sie: Massenware wird es bei uns nicht geben. „Schließlich haben wir den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht, um wieder kreativ sein zu können“, sagen die diplomierten Lederverarbeitungstechnikerinnen, die bis zur Wende als Kolleginnen bei „Berliner Lederwaren“ arbeiteten. Inzwischen widerstrebt es ihnen sogar, ein bereits produziertes Modell nochmals in einer anderen Farbe anzufertigen. „Am liebsten sind uns Kundinnen, die zu uns kommen, wie sie zu einem Maßschneider gehen und unsere Kollektion als Anregung dafür nehmen, was machbar ist.“

Taschen, wohin man sieht, aus Wild- oder Glattleder, Stoff, Drahtgewebe, Kunststoff, verspielt, schrill oder edel. Manche wirken vergleichsweise dezent, bieten dafür aber ein umso aufwändigeres Interieur: zwei Handy-Fächer oder eine solarbetriebene Innenbeleuchtung. Sie heißen Löchrig, Tivi, Eggbag, Garbage Can oder Labyrinth.

Ein Spiegelei gibt die Vorlage für die lederne Eggbag, während das lindgrüne Tivi einem altmodischen Fernsehgerät ähnelt, samt Szenenbild aus einem Heinz Rühmann-Film hinter der Folien-Mattscheibe. Endloses Experimentieren mit Materialien und Accessoires sei erforderlich gewesen, bis das Modell den optischen und qualitativen Ansprüchen entsprach, erzählt Katrin Fischer. Sie hat den künstlerischen Part, bringt eigene Ideen sowie Taschenwünsche der Kundinnen per Bleistiftskizze zu Papier: Traumautos, Toaster, Lieblingstiere, Melonen oder Geometrisches.

Indes konzentriert sich Constance Hildebrandt auf die Umsetzung der Entwürfe. „Da wir bei jedem Modell wieder bei Null anfangen, kann die Vorarbeit durchaus einige Wochen dauern", sagt sie. Ebenso tabu wie Plagiate sind bei „Unikat" Nachlässigkeiten in Verarbeitung und Konstruktion.

Auch Herrentaschen gehören ins Sortiment, obwohl sie keine kreative Herausforderung darstellen, „weil Männer meist Konventionelles in konservativen Farben bevorzugen.“ Vielleicht werden sie etwas mutiger, wenn sie erfahren, dass Katrin Fischer und Constance Hildebrandt begeistert in ihren Revieren wildern: „Baumärkte sind eine echte Fundgrube für neue Ideen.“ Haushaltswaren-Abteilungen ebenfalls. So entstand das Modell „Elfe“ aus einem verformten, blumenverzierten Pfannenspritzschutz, aus einem Schwingdeckelmülleimer der silbrige Garbage Can-Rucksack. Wer sich von dessen Tragekomfort überzeugen möchte, kann ihn auch mieten – für 19 Euro pro Tag.

Unikat-Taschendesign, Auguststraße 86 (Mitte), Mo-Fr 12-19, Sa 14-19 Uhr. Infos im Internet unter: www.unikat-bag.de

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