Zeitung Heute : Spielen zum Nulltarif

PC-Spiele sind ein teures Vergnügen. Wer aber weiß, wo er suchen muss, findet im Netz etliche legale Programme – und zwar umsonst

Benedikt Plass

Die Preissituation bei Computerspielen hat sich in den letzen Jahren kaum verändert: Für ein aktuelles PC-Spiel muss man nach wie vor zwischen 40 und 50 Euro hinblättern. Umso ärgerlicher, wenn der Spaß nach wenigen Stunden schon wieder vorbei ist. Dabei muss man noch nicht einmal ins Portemonnaie greifen, um an die Spiele zu gelangen. Einen flotten Internet-Anschluss vorausgesetzt, können sich PC-Spieler Titel aus sämtlichen Genres umsonst aus dem World Wide Web herunter laden.

Bevor man mit dem Downloaden beginnt, gilt es jedoch vor allem eines zu beachten: Spiele, die über Filesharing-Tauschbörsen wie „Kazaa“ oder „BitTorrent“ angeboten werden, sind fast immer illegale Raubkopien. Taucht ein brandneuer PC-Titel bereits kurz nach seiner Veröffentlichung – oder gar bereits Tage und Wochen davor – in den so genannten P2P-Börsen (Peer-to-Peer) auf, macht man sich beim Download strafbar. Deshalb muss man wissen, wo man umsonst und dennoch legal auf seine Kosten kommt. Das Angebot an Gratis-Games ist allerdings riesig: Von simplen Spielen auf „Moorhuhn“-Niveau bis hin zu vollwertiger Spiele-Software reicht die bunte Palette.

Für die schnelle Runde zwischendurch eignen sich Browser-Spiele hervorragend. Diese „Fastfood“-Titel setzen keine teure Highend-Hardware voraus und sind zumeist simpel gestrickt, da man sie direkt im geöffneten Fenster des Internet Explorer oder Netscape Navigator spielt.

Ein Paradebeispiel für ein gutes Browser-Spiel ist „Insaniquarium“, das man auf www.popcap.com findet: Der Spieler züchtet Fische, füttert seine Zöglinge und verteidigt sie gegen angreifende Aliens. Die Optik ist witzig und liebevoll, die Bedienung kinderleicht. Unter der gleichen Internet-Adresse daddelt man das Denkspiel „Dynomite“, das sich als prima Knobel-Klon bekannter Titel wie „Tetris“ entpuppt.

Erinnerungen an C64 und Amiga

Wesentlich komplexer ist das englische Online-Strategiespiel „Neveron“ (www.neveron.com): Hat man sich mit einer gültiger E-Mail-Adresse angemeldet, darf man sich als gewiefter General beweisen. Der kargen Präsentation mit unzähligen Textmenüs steht eine immense Spieltiefe gegenüber: Mit dutzenden Einheiten, Vehikeln und Gebäuden baut der Spieler ein mächtiges Imperium auf und misst sich via Rangliste mit anderen „Neveron“-Spielern.

Nostalgiker, die bereits mit einem C64 in virtuelle Spielewelten abtauchten, surfen hingegen www.cinemaware.com an: Der Oldie „Defender of the Crown“ von 1986 ist hier online spielbar – Original-Optik und quäkende Soundeffekte inklusive.

Doch auch vollwertige PC-Spiele sind kostenlos im Netz erhältlich – etwa auf www.toolster.de, wo man sich aus einer adäquaten Spiele-Sammlung bedienen kann. Aber auch insbesondere Anhänger älterer PC-Klassiker werden bestens bedient: Viele Hits von früher wurden von den Herstellern offiziell zum Download frei gegeben. Wie das klassische „Point’n’Klick“-Adventure „Beneath a Steel Sky“ aus dem Jahr 1994, das man unter www.revolution.co.uk kostenlos herunter lädt. Der Titel macht dank anspruchsvoller Rätsel und spannender Rahmenhandlung auch heute noch Laune.

Die Seite www.amigaland.de hat sich dem Kult-Computer der neunziger Jahre verschrieben: Viele Titel, die einst auf dem Commodore Amiga für Unterhaltung sorgten, stehen hier legal zum Download bereit. Damit Oldies wie „Pirates!“ auf dem PC ihren Dienst verrichten, benötigt man aber eine spezielle Emulatoren-Software, die ebenfalls auf der Amiga-Tributseite erhältlich ist. Oder man kramt gleich den alten Amiga aus dem Speicher hervor und kopiert sich die Spiele auf handelsübliche 3,5-Zoll-Disketten.

Fernab vom Mainstream und ohne jegliche finanziellen Interessen sind die unzähligen Shareware-Spiele, die fleißige Hobby- Programmierer in Eigenarbeit produzieren. Die Qualität der gebührenfreien Titel ist dabei mitunter überraschend hoch: Auf www.carom3d.com stößt man auf die gleichnamige Billard-Simulation, die es mit kommerziellen Konkurrenten durchaus aufnehmen kann. Alleine oder im Internet gegen menschliche Mitspieler dürfen die unterschiedlichsten Spielvarianten ausgetragen werden. Eine professionelle Präsentation, echte Pub-Atmosphäre und eine authentische Kugelphysik machen den Titel zur idealen Alternative für alle Kneipenmuffel.

Ein Rollenspiel mit ungewöhnlicher Ästhetik ist „Ancients Domains of Mystery“, kurz „ADOM“, das auf www.adom.de verfügbar ist. Das Programm verwendet den ASCII-Zeichensatz, der 1963 von der „American Standards Association“ (ASA) als allgemeingültige Computersprache festgelegt wurde. Dementsprechend minimalistisch sieht „ADOM“ aus: Texte und Symbole werden zu Bildern zusammengesetzt. Unter dem ungewöhnlichen Look verbirgt sich dennoch ein vollwertiges Rollenspiel, in dem man Höhlen, Dörfer und Städte erkundet, Monster bekämpft und seinen Spielcharakter mit neuen Ausrüstungsgegenständen ausstattet.

Mehr zum Thema im Internet:

www.adom.de, www.amigaland.de

www.carom3d.com, www.neveron.com

www.popcap.com, www.revolution.co.uk

www.toolster.com

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