Zeitung Heute : Spielen zwischen Weiten und Wellen

Schöne Aussichten. Im Golfpark Strelasund zwischen Stralsund und Greifswald. Foto: promo
Schöne Aussichten. Im Golfpark Strelasund zwischen Stralsund und Greifswald. Foto: promo

Der Blick aus den schwimmenden Ferienhäusern in Lauterbach im Südosten der Insel Rügen fällt in Kürze nicht nur auf die Ostsee und das wie ein pompöses Säulentheater wirkende Badehaus Goor. Ganz in der Nähe entsteht bis zum nächsten Jahr ein 18-Loch-Golfplatz. Damit dürfte der jetzt noch als Geheimtipp gehandelte Ort endgültig aus dem Schatten der teilweise mondänen Seebäder wie Binz, Sellin oder Baabe auf Deutschlands größter Insel heraustreten und neben Seglern, Radfahrern, Wanderern oder Anglern auch anderes zahlungskräftiges Publikum anlocken. Im Rathaus der nahen Residenzstadt Putbus, von der die Dampflokzüge des gar nicht schnellen „Rasenden Rolands“ zur Lauterbacher Mole starten, wird der Bau des sechs Millionen Euro teuren Golfplatzes als „beste Nachricht seit langem“ gefeiert. Die Anlage sei eines der „wichtigsten Tourismusprojekte für die Zukunft der Region“, heißt es aus dem örtlichen Bauamt.

So wie auf der Insel Rügen, wo am Schloss Karnitz bislang nur eine Golfanlage besteht und in Kürze eine weitere Anlage bei Binz gebaut wird, hat sich in ganz Mecklenburg-Vorpommern das Golfplatz-Baufieber im Unterschied zur Region Berlin-Brandenburg noch längst nicht gelegt. Derzeit gibt es 17 Plätze, von denen erst im Vorjahr drei eröffnet worden sind. Die befinden sich in Warnemünde, in Korswandt auf Usedom und am Schloss Krugsdorf bei Pasewalk, etwas nördlich der Landesgrenze zu Brandenburg.

Die Klubs an der Küste oder im seenreichen Binnenland leben im Unterschied zu ihren Brandenburger Pendants im starken Maße von Urlaubern. Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern geht davon aus, dass rund die Hälfte aller Golfrunden von Touristen gespielt werden. Die brauchen dafür keine Klubmitgliedschaft und können die Abschläge mit Blick auf Ostseewellen oder die landschaftlichen Weiten im Urlaub genießen. Oft bieten Hotels wie das Schloss Teschow bei Teterow südlich von Rostock neben Arrangements für Golfspieler auch Wellness- und Kulturprogramme an. So auch der Golfpark Strelasund zwischen Stralsund und Greifswald, der im Mai 2009 sein Wellnesshotel eröffnete und eine 27-Loch-Anlage bietet.

Golftouristen, von denen viele aus Skandinavien und der Schweiz stammen, buchten im Vorjahr immerhin 380 000 Übernachtungen. Das waren 120 000 mehr als im Jahre 2006. Der Präsident des hiesigen Golfverbandes, Rüdiger Born, hält in absehbarer Zeit sogar eine halbe Million Übernachtungsbuchungen durch Golfer für möglich. Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, Bernd Fischer, stimmt zu und verweist auf mehrere Studien. Demnach sei es „in touristisch geprägten Regionen sinnvoll, Golfplätze im Abstand von einer Autostunde zu bauen“. Es könnten demnach noch einige Plätze hinzukommen.

Nach einer Statistik des Golfverbandes sind seit 1990 mehr als 100 Millionen Euro in den Bau von Plätzen zwischen Küste und Seenplatte investiert worden. Dadurch wurde eine Fläche von fast 2500 Fußballfeldern in Anspruch genommen. Vor allem Naturschützer und Landwirte wehren sich gegen ein weiteres Verschwinden von Feldern und Weiden unter dem Spielrasen. Andererseits garantieren die Klubs eine ganze Anzahl von sicheren Arbeitsplätzen. Rund 500 Menschen fanden in den Golfklubs eine Anstellung. In Lauterbach auf Rügen kommen bald mehrere Dutzend Jobs hinzu.

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