Zeitung Heute : Spinat für alle!

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Was haben Spinat und Leber, Eigelb, Blattsalat, Spargel und Nüsse gemeinsam? Ganz einfach: Sie enthalten Folsäure. Das ist ein Stoff aus der Gruppe der B-Vitamine, der im Körper für das Zellwachstum und die Zellteilung benötigt wird. Aber Folsäure kann noch mehr. Schon seit längerem ist bekannt, dass das Vitamin die Gefahr des „offenen Rückens“ bei Neugeborenen verringern kann. Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere sollten vorbeugen.

Möglicherweise senkt Folsäure auch das Krebsrisiko, weil sie Erbgutschäden verhindern kann. Vor allem aber ist das Vitamin bei der Bekämpfung von Herzinfarkt und Schlaganfall im Gespräch. Man nimmt an, dass eine erhöhte Blutkonzentration der Aminosäure Homocystein das Risiko für diese Krankheiten erhöht. Folsäure senkt den Homocysteinspiegel.

Auf einer Fachtagung der „American Heart Association“ in San Francisco wurde nun eine Untersuchung vorgestellt, die den Nutzen des Spinat-Vitamins noch einmal unterstreicht. Lorenzo Botto und seine Kollegen von den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA in Atlanta untersuchten, wie sich die Gefahr, an Schlaganfall und Herzinfarkt zu sterben, zwischen 1990 und 2001 geändert hat.

Das Ergebnis war mehr als deutlich: Seit in den USA dem Mehl Folsäure zugefügt wird, sank das Sterberisiko für Schlaganfall deutlich. Ging die Sterberate vor dem Folsäure-Zeitalter jedes Jahr um ein Prozent zurück, betrug dieser Rückgang seit 1997 – damals begann die Mehl-Anreicherung – sogar 4,5 Prozent, mehr als das Dreifache. Die Forscher berechneten, dass jedes Jahr durch die Folsäure-Anreicherung 31000 Schlaganfall- und 17000 Herz-Todesfälle vermieden werden. Ein endgültiger Beweis steht allerdings noch aus.

Jod und Folsäure werden bei uns oft nicht ausreichend mit der Nahrung aufgenommen. Mittlerweile gibt es Speisesalz, das Jod, zahnhärtendes Fluor und eben auch Folsäure enthält. Getreideflocken sind ebenfalls mit dem Vitamin versetzt. Aber Mehl, also: Folsäure für alle?

Bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung hält man so etwas durchaus für diskussionswürdig, versichert Antje Gahl, Sprecherin der Gesellschaft. Festgelegt hat man sich jedoch noch nicht. Das Thema ist ein bisschen heikel. Bis es soweit ist – vergessen Sie den Spinat nicht.

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