Zeitung Heute : Spinnenroboter, Monsterwellen und 200 Freiwillige

Bei der Langen Nacht der Wissenschaften am 5. Juni gibt es Forschung zum Staunen und Mitmachen – etwa bei einem Live-Experiment der Mathematiker

Jana Bialluch
Es werde Licht. Die Besucher erwarten wieder viele erhellende Momente. Foto: TUB/Dahl
Es werde Licht. Die Besucher erwarten wieder viele erhellende Momente. Foto: TUB/Dahl

Sind Sie schon einmal im Berufsverkehr am Ostkreuz umgestiegen? Dann kennen Sie das Gegeneinanderlaufen von Personenströmen; hier verursacht durch Baugerüste, die aus dem unteren Bahnsteig einen schmalen Pfad machen. Auch auf Flughäfen und in Einkaufszentren wird man immer wieder von solchen Personenströmen mitgerissen.

Schon in der Bauplanung muss berücksichtigt werden, wie der Fußgängerverkehr verläuft, um Behinderungen zu vermeiden. Dazu analysieren Wissenschaftler Personenbewegungen und entwickeln Steuerungsmaßnahmen. „Mit mathematischen Simulationsmodellen kann man ausprobieren, was passiert, wenn man etwa einen Ausgang dahin und eine Treppe dorthin setzt“, erläutert TU-Professor Hartmut Schwandt vom Institut für Mathematik. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts erforscht er zusammen mit dem Fachgebiet Verkehrssystemplanung Personenströme.

Mit Computersimulationen gibt sich der Mathematiker nicht zufrieden: „Ab und zu wird ein Modell am praktischen Beispiel mit realen Fußgängern ausprobiert. Für Personenströme, die sich kreuzen, liegen aber nur wenige und kaum verwertbare Ergebnisse vor.“ Diese Lücke in der empirischen Forschung möchte er mit einem Großversuch in der Langen Nacht der Wissenschaften am 5. Juni anfangen zu schließen. Schwandt sucht dafür 150 bis 200 freiwillige Teilnehmer im Haus der Mathematik in Charlottenburg.

Groß ist an diesem Abend außerdem die spektakuläre Wissenschaftsshow im Haus der Ideen. Die TU Berlin präsentiert neben Monsterwellen, Einblicken in die 2- zu 3-D-Konvertierung von Filmen und den Stegreif-Comedians „Die Gorillas“ eine Weltpremiere: die Radlerspinne. Bionik-Professor Ingo Rechenberg demonstriert die neuesten Erkenntnisse aus der Sahara zum ersten Mal mit einem 20 Zentimeter großen Spinnenroboter. Die künstliche Spinne führt vor, was ihr Vorbild in der Wüste vollbringt: Ein Rad schlagen und sich rollend fortbewegen, und das sogar bergauf.

Ein echtes Sternchen der Wissenschaftsshow ist das „kleine Glitzernde“. Das vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration entwickelte Abendkleid kann dank dehnbarer LED-Displays sternengleich leuchten und die Bewegungen der Trägerin in Lichtmuster umwandeln. Das „Klight“ wäre das ideale Outfit für einen Besuch beim Sommernachtssalon der schönen Künste in der Universitätsbibliothek. Vorträge und Gespräche zu den König-Artus-Geschichten, dem frühen Werk des Architekten Hans Pölzig und den vielfältigen, geistreichen Bezeichnungen von Dummheit in der deutschen Sprache werden in angenehmer Salonatmosphäre geboten. TU-Kunstprofessorin Bénédicte Savoy berichtet über die neue Ausstellung „Traum und Trauma. Napoleon und Europa“, welche die Auswirkungen der napoleonischen Machtpolitik in ganz Europa beleuchtet.

Am Standort Wedding wird im Haus des Bauens gezeigt, wie künstliche Muskeln Schwingungen von Brücken beruhigen, während sich die jüngsten Besucher auf dem Bau-Parcours ausprobieren können – indem sie Brücken aus Spaghetti bauen und deren Festigkeit testen. Am Ende winkt die „Mini-Master“-Urkunde.

Dreh- und Angelpunkt des Kinderprogramms ist der beliebte Kindercampus in der TU-Mensa an der Hardenbergstraße. Es gibt eine Kindershow unter anderem mit den Kung-Fu-Kids und bei der Experimentierwerkstatt können die Wissenschaftler von morgen herausfinden, wie ein Presslufthammer und ein Luftkissenboot funktionieren.

Insgesamt wird die TU Berlin 30 Themen-Häuser an den Standorten Charlottenburg, Wedding und Dahlem öffnen und 270 Projekte vorstellen; 110 Veranstaltungen sind neu im Programm. Jana Bialluch

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