Zeitung Heute : Spitze für Sportler

Seit vergangenem Jahr trägt die TFH den Titel „Hochschule des Spitzensports“

Anja Brandt

Sie leben zwischen Trainingslager, Wettkampf und Hörsaal. Für ihre Klausuren lernen sie nicht wie die anderen Studenten in der Bibliothek, sondern im Trainingsanzug auf der Sportbank: Spitzenathleten, die neben ihrem Sportlerdasein studieren, leben unter ständiger Doppelbelastung.

41 Spitzensportler studieren derzeit an der Technischen Fachhochschule in Berlin (TFH), darunter die Schwimmerin Britta Steffen, der Zehnkämpfer André Niklaus, Geher André Höhne und Fünfkämpfer Eric Walter. 13 von ihnen sind für die Olympischen Spiele nominiert, die im August in Peking stattfinden. Die TFH ist bei Profiathleten beliebt: Der Deutsche Olympische Sportbund hatte ihr im vergangenen Dezember den Titel „Hochschule des Spitzensports“ verliehen. Grund: Die TFH unterstützt ihre Studenten dabei, Sport und Studium erfolgreich unter einen Hut zu bringen.

Vor fünf Jahren haben Gert Wenzel, Leiter des Hochschulsports an der TFH, und Andreas Hülsen vom Olympiastützpunkt Berlin (OSP) ein Betreuungsmodell entwickelt. Zunächst bekommen die Profiathleten eine Laufbahnberatung, die über die Studienmöglichkeiten an der TFH informiert. Anschließend erfolgt eine ausführliche Studienberatung an der Hochschule. Entschließt sich der Nachwuchsathlet für das Studium, folgt eine beschleunigte und vereinfachte Immatrikulation.

Auch während des Studiums wird der Spitzensportler nicht allein gelassen: Ein Mentor steht ihm bis zum Studienabschluss zur Seite. Er stimmt beispielsweise den Semesterplan zusammen mit Trainer und Laufbahnberater ab oder organisiert Termine zum Nachschreiben von Klausuren.

Profi-Ruderer Karsten Brodowski studiert an der TFH im fünften Semester Maschinenbau. Bei Weltmeisterschaften rangierte er auf den ersten Plätzen, derzeit bereitet er sich auf Olympia vor. Ein Kindheitstraum. Das Studium schmeißen kommt trotzdem nicht in Frage. „Irgendwann ist es mit dem Spitzensport vorbei – und in finanzielle Schwierigkeiten kann man schnell geraten“, sagt der 22-Jährige. Professor, Trainer, Freundin, Ruderverband – „jedem gerecht zu werden ist nicht einfach. Das schaffe ich nur mit der Unterstützung der TFH.“

Einen persönlichen Mentor – das würden sich viele andere Studenten auch wünschen. Doch: „Wir sehen das Programm nicht als Vorteil, sondern als Nachteilsausgleich“, so Wenzel. Brodowski trainiert bis zu fünf Stunden täglich, ist über ein halbes Jahr nicht zu Hause. „Und durch unsere Betreuung liegt die Studienzeit der Spitzensportler gerade mal drei Semester über dem Schnitt.“ Anja Brandt

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben