Zeitung Heute : Sport und Kultur statt Sex und Suff auf Ibiza

Ralph Schulze

Schluss mit dem Schmuddelimage der spanischen Baleareninsel Ibiza: Die Inselregierung sagt dem Sex- und Drogentourismus, der jedes Jahr Hundertausende junger Briten und Deutsche anzieht, den Kampf an. Strengere Kontrollen und mehr Polizei sollen in der anlaufenden Hochsaison die Exzesse der vergangenen Jahre verhindern. Zudem will man die Reiseveranstalter zum Umdenken bewegen. Die Urlaubsbranche trug mit ihrer eindeutig-deftigen Kundenwerbung dazu bei, dass das Image der jüngst von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärten Insel ziemlich angeschlagen ist.

Kultur und Sport - das sind die Waffen mit denen Ibizas Tourismusbeauftragter José Marí Ribas die Orgien aus Sex und Suff auf der Insel vertreiben will. "Wir wollen ein realistisches Bild von Ibiza schaffen", sagt Ribas, der zugibt, dass der Ruf seiner - nach Mallorca und Menorca drittgrößten - Baleareninsel erheblich "angekratzt" ist. Nun will Ribas für das "andere Ibiza", eben das sanfte, saubere, schöne Ibiza werben - das immer noch viel Natur zu bieten hat. Zugleich forderte der ibizenkische Tourismuspolitiker die Reiseorganisatoren auf, "bei ihren Gästen für ein respektvolleres Verhalten" zu sorgen.

Jugendliche im Alkohol- oder Drogen-Dauerrausch, Schlägereien, obszöne Orgien am Strand oder im Hinterland sorgen auf Ibiza immer wieder für Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr sprangen mehrere Jugendliche aus Deutschland und Großbritannien von den Klippen, vollgepumpt mit Ecstasy-Pillen - sie glaubten, fliegen zu können. Im Sommer 1998 sorgte der britische diplomatische Statthalter auf der Insel für einen Paukenschlag: Er trat zurück, angeekelt von den "Schweinereien", die seine Landsleute auf Ibiza anrichten.

Die Briten stellen fast die Hälfte der rund 1,6 Millionen Urlauber, die 1999 die Insel besuchten. An zweiter Stelle liegen die Deutschen, die ein gutes Viertel der Touristen stellen. Die Besucher vom spanischen Festland sind mit rund zehn Prozent auf dieser Baleareninsel mit ihren 70 000 Bewohnern eine Minderheit. Ibiza lebt vor allem vom Tourismus. Im Sommer verwandelt sich Ibiza zum europäischen Zentrum der Techno-Musik. Internationalen Ruf genießt auch die Modeszene, etliche Designer haben hier ihre Studios und verkaufen ihre Kreationen in alle Welt.

Kreativität und Kultur, das sind zwei Etiketten der Insel, die nun stärker betont werden und so ein gehobenes Publikum anziehen sollen. Bei dieser Imagestrategie wird ohne Frage der Unesco-Titel "Kulturerbe der Menschheit" helfen. Im Dezember 1999 hatte die Weltkulturorganisation der Vereinten Nationen drei historischen Monumente unter ihren Schutz gestellt: die mittelalterliche Altstadt von Ibiza-Stadt, das benachbarte antike Gräberfeld mit rund 4000 Sarkophagen und die über 2500 Jahre alte Phönizier-Siedlung "Sa Caleta". Daraus wollen die Inselmanager nun Kapital schlagen.

Doch zunächst muss kräftig investiert werden, um die Voraussetzungen für einen tatsächlich glaubwürdigen Öko- und Kulturtourismus zu schaffen. Ibiza hat wie die Nachbarin Mallorca große Schwierigkeiten, die Umweltprobleme des Massentourismus in den Griff zu bekommen: Trinkwasser ist äußerst knapp, Abwässer und Müllberge stinken zum Himmel, immer mehr Hotel- und Apartmentanlagen zerstören die Landschaft. Die ibizenkischen Inselpolitiker wollen deshalb, wie ihre mallorquinischen Kollegen, die Urlauber demnächst zur Kasse bitten - mit der "Öko-Urlaubssteuer". Ob das wie geplant klappt, bleibt abzuwarten.

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