SPORTDRAMA„The Wrestler“ : Comeback einer Ruine

Christian Schröder

Wrestling gilt als harmloser Schaukampf, bei dem allenfalls Theaterblut fließt. Mit diesen Vorstellungen räumt der Film „The Wrestler“ gründlich auf. Die Kämpfe, die er zeigt, sind alles andere als harmlos. Sein Held, Randy „The Ram“ Robinson, hat seine besten Zeiten lange hinter sich. Für ihn kommt es nicht mehr darauf an, zu gewinnen. Er versucht nur noch durchzuhalten. Seit einem Vierteljahrhundert steht er schon im Ring, der Sport hat seinen Körper ruiniert.

In einer der stärksten Sequenzen des Films gehen Robinson und sein Kontrahent mit Flaschen, Maschendraht und Tischplatten aufeinander los. Sie schlagen, treten, beißen. Wenn einer am Boden liegt, springt der andere mit voller Wucht auf ihn drauf. Wrestling ist, das zeigt „The Wrestler“ mit beinahe dokumentarischer Genauigkeit, ein mörderisches Geschäft. Nach dem Kampf bricht Robinson bewusstlos zusammen.

Als er wieder aufwacht, liegt er im Krankenhaus. Wenn er weiter kämpfen will, die Diagnose ist eindeutig, wird das sein Todesurteil sein. Also beginnt für den Wrestler noch einmal ein neuer Kampf: der ums Überleben. Er flirtet mit einer Nachtclub-Stripperin, geht mit ihr aus. Und er trifft sich mit seiner Tochter, um die er sich jahrelang nicht gekümmert hat. Aber sie sagt bloß „Du bist ein solches Arschloch“ und lässt ihn erst einmal stehen.

„The Wrestler“ bleibt, oft mit Handkamera, ganz nah dran an seiner Hauptfigur. Für einen Mann wie Robinson hat das Leben kein Happyend vorgesehen. „Ich bin ein altes heruntergekommenes Stück Fleisch“, sagt er seiner Tochter. Gleich danach steht er hinter einer Theke und wiegt Wurst für Supermarktkunden ab. Eine größere Demütigung ist für den Supermacho kaum vorstellbar. Das Wrestling ruiniert ihn, aber es macht ihn auch zum freien Mann. Wobei die Freiheit aus ein paar Dollarscheinen besteht, die ihm nach einem Kampf zugesteckt werden. „The Wrestler“ ist Mickey Rourkes Film. Seine Rolle ist mit der eigenen Biografie unterfüttert. Die Parallelen zwischen dem Altstar und dem abgehalfterten Wrestler liegen auf der Hand. Bewegendes Melodram. Christian Schröder

„The Wrestler“, USA 2008, 105 Min., R: Darren Aronofsky, D: Mickey Rourke, Evan Rachel Wood, Marisa Tomei

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