Zeitung Heute : Sportgate: In den Nischen ist es halt eng

Kurt Sagatz

Nicht nur die amerikanischen Portal-Betreiber traf die Jupiter-Studie Anfang Juni wie ein Donnerschlag. Obwohl immer mehr Menschen das Internet nutzen, wird die Bookmark-Liste der meisten Onliner immer kürzer. Die Hälfte der Online-Zeit entfällt gerade mal auf vier US-Anbieter. Ein Jahr zuvor teilten sich noch sieben Websites das Hauptinteresse der Internet-Nutzer und vor zwei Jahren waren es noch elf Angebote.

Die Konzentration wirkt bedrohlich. Auch hier zu lande wird nicht daran gezweifelt, dass Portale nur dann erfolgreich sein werden, wenn sie es entweder als Generalist auf eine kritische Nutzermasse bringen oder aber durch ihre Spezialisierung erfolgreich sind. Zum Beispiel im Sport-Segment. Umso mehr bedauert nun DSB-Präsident Manfred von Richthofen, dass das Sportgate-Vorhaben "so in den Sand gesetzt wird". Denn die Hoffnungen, dass neue Partner für das Internet-Portal von Boris Becker und Paulus Neef gefunden werden, wird vom Sportbund als wenig realistisch eingeschätzt.

Dass gerade Sportgate zu einem neuen Markstein für erfolglose Internet-Vorhaben wird, ist auch aus Sicht des DSB befremdlich. Schließlich stehen hinter der Spitzenorganisation 27 Millionen Mitglieder in 87 000 Sportvereinen, die das gesamte Spektrum vom Breitensport bis zur Spitzenleistung abdecken, wie DSB-Sprecher Harald Pieper betont. Was wäre vor diesem Hintergrund nicht alles möglich. Von den großen Sportereignissen bis zu den Ergebnissen in den Regionalligen, von Gesundheitstipps bis zu Volksläufen seien der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Auch ansonsten waren die Perspektiven alles andere als schlecht gewesen, zumal mit Becker und Neef zwei Partner mit "hochseriöisem Renommee und großer Werbewirksamkeit" für Sportgate standen.

Dem Sportbund selbst sind nun jedoch erst einmal die Hände gebunden. "Wir sind zum Abwarten verdonnert", sagt Pieper mit Verweis auf die "ideelle Partnerschaft" des DSB mit Sportgate. Der Verband ist nur mit einer "symbolischen" Einlage von 10 000 Euro beteiligt und muss nun die weitere Entwicklung im Insolvenzverfahren abwarten. Immerhin wird die Bedeutung der Internet-Plattform für den DSB und den gesamten Breitensport weiterhin als hoch eingeschätzt. Auch wenn kein neuer Partner ins Boot geholt wird, will man an der Internet-Präsenz festhalten. Allerdings mit einer anderen Zielsetzung, denn die bisherigen Ansprüche hätten sich "nicht annähernd erfüllt". Besser klein anfangen und dann langsam wachsen, umschreibt Harald Pieper die Alternative, die der DSB möglicherweise eher in Betracht ziehen muss, als ihm lieb ist.

Trotz aller Verärgerung besteht für den Sportverband jedoch keinerlei Notwendigkeit, sich allzu stark in das laufende Verfahren einzumischen. Man hat die Nutzer und zugleich die Inhalte auf seiner Seite. So sei es dem DSB von vornherein darum gegangen, Sportgate langfristig zu entwickeln. Das sei auch gegenüber den Partner klar kommuniziert worden. Genauso wie die Einschätzung, dass mit dem Portal nicht von "jetzt auf gleich" Gewinne zu erwarten seien.

Allerdings wird in der Branche bezweifelt, dass Sportgate jemals Aussichten hatte, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Christian Hellmann, Vorstandschef der Tomorrow Internet AG, erinnert daran, dass gerade der Markt für Sportinformationen im Internet dicht besetzt ist. Sportgate könne zwar eine interessante Grundidee vorweisen, habe jedoch weder einen starken Partner im Mediengeschäft noch Exklusivrechte an Bewegtbildern. Selbst in der Nische sei somit ein Überleben von Sportgate wenig wahrscheinlich.

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