Zeitung Heute : Spot aus – Flächenlicht ein: Jetzt kommt der schöne Schein

LED-Leuchtkörper sind noch fassungslos. Doch das könnte sich ändern

Lutz SteinbrückD
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Foto: ddp

Die Glühbirne althergebrachter Fassung – einst ein Dauerbrenner – wird zum Auslaufmodell. Die EU-Kommission und die 27 Mitgliedstaaten hatten im Dezember beschlossen, als Beitrag zum Klimaschutz herkömmliche Glühbirnen allmählich durch Energiespar- und Halogenlampen zu ersetzen. Mit dem Aus für die Glühbirne will die EU-Kommission dazu beitragen, die Stromkosten und den Ausstoß von Kohlendioxid beim Stromverbrauch erheblich zu senken. Nach ihren Berechnungen lassen sich durch ein Verbot jährlich rund fünfzehn Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Am 1. September sollen in einer ersten Stufe zunächst 100-Watt-Birnen vom Markt verschwinden, ein Jahr später dann Glühbirnen mit einer Leistung von 75 Watt, am 1. September 2011 verschwinden die 60-Watt-Birnen. Ab 1. September 2012 soll es auf dem europäischen Markt gar keine herkömmlichen Glühbirnen mehr geben. Doch was kommt dann?

Energiesparlampen können mit der zehn- bis zwanzigfachen Lebensdauer punkten. Zudem verbrauchen Glühbirnen, diese inzwischen knapp 130 Jahre alten Leuchtkörper, fünf Mal so viel Strom wie Energiesparlampen. Wenn alte Glühbirnen die Drähte zum Glühen bringen, wandeln sie nur fünf Prozent der bezogenen Energie in Licht um, während der Großteil der Energie als Wärme verpufft. Dass sie in der Anschaffung billiger sind als Energiesparlampen, macht die Glühbirnen keineswegs preiswerter: Nach Angaben der Stiftung Warentest amortisiert sich der höhere Kaufpreis für moderne Energiesparlampen dank des niedrigen Stromverbrauchs bereits nach einem Jahr.

Der vielleicht letzte Versuch zur Rettung der Glühbirne scheiterte vor drei Wochen: Einige konservative und liberale Europa-Abgeordnete aus Deutschland wollten das EU-Plenum über das Glühbirnenverbot abstimmen lassen, um es rückgängig zu machen. Ein entsprechender Antrag des CDU-Politikers Hartmut Nassauer wurde vom Umweltausschuss des EU-Parlaments mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Ein Argument der Verbotsgegner: Energiesparlampen enthalten zu viel Quecksilber, wodurch neue Belastungen für die Umwelt entstehen. Nach Angaben der EU-Kommission hingegen setzen die stromfressenden Glühbirnen mehr Quecksilber frei.

Christian Noll, Experte für Energieeffizienz beim Bund für Umwelt und Naturschutz in Berlin, erklärt das Quecksilber-Problem vor allem mit der mangelhaften Entsorgung. „Neunzig Prozent der Haushalte entsorgen ihre Energiesparlampen im Hausmüll, sagt er. „Dadurch tritt Quecksilber aus und landet unkontrolliert in der Umwelt.“ Er fordert ein spezielles Rücknahmesystem für Energiesparlampen, wie man es zum Beispiel für Batterien kennt. Einen weiteren Nachteil von Energiesparlampen sieht Noll in den elektromagnetischen Feldern, die Elektrosmog verursachen. Laut Bundesamt für Strahlenschutz sind etwa sechs Prozent der Menschen in Deutschland elektrosensibel. Noll sieht die Industrie in der Pflicht, Lampen mit weniger elektromagnetischen Feldern zu produzieren. Nur so könne man Betroffene besser vor negativen Folgen wie Übelkeit oder Migräne schützen.

Statt gesundheitlicher Aspekte sorgt wohl eher die Macht der Gewohnheit dafür, dass die Glühbirne noch immer ein Massenphänomen ist. „In deutschen Haushalten teilt sich die Glühbirne den Markt vor allem mit Energiesparlampen und Halogenlampen“, erklärt Lothar Beckmann, Energie-Experte der Stiftung Warentest. Halogenlampen der Effizienzklassen B und C gibt es in Deutschland noch nicht zu kaufen. Die bisher erhältlichen Halogenlampen verbrauchen dagegen deutlich mehr Strom als Energiesparlampen. Auf längere Sicht räumt Beckmann Lampen mit Leuchtdioden (LED-Lampen) die besten Verbreitungschancen ein. „Dabei handelt es sich um eine vergleichsweise neue Technik. Sie erzeugt ein Flächenlicht, das man eher von Fahrradbeleuchtungen her kennt.“ Die technische Entwicklung sei längst nicht abgeschlossen, so dass sich Herstellern solcher Leuchten noch viele Möglichkeiten bieten würden.

Auch Noll sieht die Zukunft der LED-Lampen in einem hellen Licht. Eine genauere Prognose will er aber nicht abgeben: die Technologie stecke noch in den Kinderschuhen. Und so lobt die Stiftung Warentest im August 2008 zwar heutige LED-Lampen dafür, dass sie weniger Strom verbrauchen als Energiesparlampen. Doch noch seien sie keine Alternative. Kritisiert wurden mangelnde Helligkeit und fehlende Schraubsockel, um sie in normale Fassungen zu schrauben. Es scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein, bis eine neue LED-Lampe diese Nachteile ausgleicht. Lutz Steinbrück

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