Sprachglosse : Abu Jaber, das Jobcenter

Wieso nennen viele Syrer das Jobcenter "Abu Jaber"? Unser Autor erklärt das Neusyrische - und die Bedeutung von "Kostenmanama".

Khalid Alaboud
Großzügig: Das Jobcenter Abu Jaber.
Großzügig: Das Jobcenter Abu Jaber.Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa - Bildfunk

Ein Sprichwort besagt, dass Menschen, die in eine neue Umgebung kommen, sich dieser entweder schnell anpassen oder dafür sorgen, dass die Umgebung sich ihnen anpasse. Genau das ist jetzt bei vielen Neuankömmlingen aus Syrien zu beobachten. Sie müssen eine neue Sprache lernen und die vielen, sehr langen Wörter sind schwer für sie. Was machen sie also? Sie passen die deutsche Sprache an die syrische Umgangssprache an. Begriffe, denen sie ständig begegnen, werden so verändert, dass die einzelnen Silben in den arabischen Sprachduktus passen.

Das sperrige Wort „Kostenübernahme“ ist dafür ein gutes Beispiel. Es handelt sich um eine Bescheinigung, die der Neuankömmling vom Sozialamt bekommt und in der bestätigt wird, dass die Kosten für Wohnen und Verpflegung durch das Amt übernommen werden. Es ist etwas, was sich alle Neuankömmlinge wünschen, und ein Begriff, der daher häufig fällt; allerdings in seiner arabisierten Form: „Kostenmanama“. Dabei erinnert der hintere Teil des Wortes an den umgangssprachlichen syrischen Ausdruck für „Manama“ (Schlafstätte). So klingt nun mit, dass man sich auf der Kostenübernahme ausruhen kann.

Viele Neuankömmlinge wünschen sich sehnlichst, nicht mehr vom „Jobcenter“ abhängig zu sein. Auch hier hilft die sprachliche Anpassung: So sagen viele, dass ihnen ein gewisser „Abu Jaber“ (Vater von Jaber) finanziell unter die Arme greife. Dies ist der neusyrische Begriff für Jobcenter. Wobei in der arabischen Geschichte der Name Jaber mit Großzügigkeit verbunden wird. Wer kennt nicht das Märchen von Jaber, dem Helfer der Armen? So, das kann ich versichern, wurde der Name „Abu Jaber“ nicht allein wegen seines Klanges ausgewählt, um die Behörde zu bezeichnen, die im Leben vieler eine so große Rolle spielt.

Dieser Artikel erschien im Rahmen des Projekts #jetztschreibenwir von Tagesspiegel und Friedrich-Naumann-Stiftung. Mehr Artikel von Exiljournalisten finden Sie auf unserer Themenseite.

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