Zeitung Heute : Spur der Reblaus

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Burkhard Schröder Reise durchs Web führt zurück bis zu den Römern

Die Reblaus (1) ist der natürliche Feind des Winzers. Sie wurde aus Nordamerika eingeschleppt und greift Blätter und Wurzeln der Weinstöcke an. Das Tierchen kann man nicht essen, obwohl eine wohlschmeckende Mahlzeit, die „Römische Reblaus“ ihren n trägt. Italienische Winzer haben seit der Römerzeit Erfahrung im Kampf gegen den Schädling. Insbesondere Sizilien ist seit dem Altertum für seine Weine berühmt. Von der Insel Pantelleria vor der Südspitze Siziliens stammt der süße Weißwein Moscato di Pantelleria (2). Er wird aus der Rebsorte Zibibbo gekeltert, deren Wein die Phönizier ihrer Lieblingsgöttin Tanit weihten.

Auf Pantelleria hat die Reblaus keine Chance. Experten machen die sandigen Böden der Weinberge dafür verantwortlich. Die Rebstöcke erreichen ein Alter von mehr als achtzig Jahren. Sie zeigen keine Verknorpelungen von Pfropfstellen auf, sondern gehören von der Wurzel bis zum Blattwerk ein und derselben Pflanze an. Dieses historische Relikt zeugt von der allerersten Weinkultur Europas. Weltweit haben nur wenige Weinanbaugebiete dieselben Voraussetzungen: Chile, China und einige Inseln mit ebenso sandigen Böden wie Zypern und der Sulcis (3) auf Sardinien. Eines der Landgüter der Insel Pantelleria produziert und verkauft einen Wein, der sogar in den exklusivsten Restaurants von New York, Paris, Tokio oder Berlin serviert wird. Auch das berühmte Mailänder „Teatro alla Scala“ schwört auf dessen Weine. In der Antike hieß die Stadt, in deren Grenzen das Weingut liegt, Lilybaion („mit Blick auf Libyen"). Sie galt als uneinnehmbar und kapitulierte als letzte im Ersten Punischen Krieg vor den Römern. Der britische Weinhändler John Woodhouse machte sie bekannt: Er braute hier eine hochprozentige Alternative zu Portwein. Nicht weit entfernt

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