Zeitung Heute : Stabiler Betriebszustand

Der technische Gebäudemanager im Bundesrat lässt nicht nur die Lichter funkeln

Nora Sobich

Den so genannten Parlamentskalender hat Udo Günther fest im Blick. Er hängt im Büro des Diplom-Ingenieurs direkt gegenüber seinem Schreibtisch. Denn wenn freitags Sitzungen im Plenarsaal anberaumt sind, heißt es für den technischen Gebäudemanager im Bundesrat, alle nur erdenklichen Vorkehrungen zu treffen. Bereits ab Donnerstag um 12 Uhr werden die laufenden Wartungs- und Routinearbeiten im Gebäude unterbrochen. Es dürfen auch keine Handwerker mehr ins Haus. „Das Risiko wäre einfach zu groß“, sagt Günther, „dass bei Bohrarbeiten eine Leitung beschädigt wird, und die Parlamentarier plötzlich im Dunkeln sitzen.“

Der Verwaltungsbeamte, der seit dem Umzug des Bundesrats gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen das Technische Gebäudemanagement verantwortet, hat den Supergau dennoch schon ein Mal erleben müssen. Das Unheil ereignete sich im vergangenen Jahr bei einer Sitzung mit internationalen Teilnehmern der Europa-Kammer, als um 9 Uhr 45 plötzlich der Hausalarm losging, alle Brandmelder anschlugen, alle Fahrstühle ins Erdgeschoss fuhren, die automatischen Verdunklungsanlagen einsetzten und die Entrauchungen in den Glasdächern aufgingen. Was war passiert? Ein Kollege aus der Bauverwaltung hatte ohne Absprache die Funktion der Sicherheitssysteme überprüft und auf den „berühmten roten Knopf“ der Brandmelder gedrückt. „Ich kann nur sagen, die Überraschung war gelungen“, meint Günther: „Das sind die Augenblicke, in denen einem das Herz buchstäblich in die Hose rutscht.“

Während die zwei anderen Kollegen des Referats Gebäudemanagement die Bereiche „Rohre“ und „Drähte“ betreuen – das heißt für Heizung, Klima, Lüftung und Wasser beziehungsweise für Elektrizität zuständig sind – kümmert sich Udo Günther um den „kulturellen Bereich“, das heißt „um all das, was man sieht“. Dazu gehören die drei Sachgebiete „Innerer Dienst“, „Bauangelegenheiten“ und „Arbeitssicherheit“. Günther sucht bei Bedarf neue Teppichböden aus, er entscheidet, wann Treppenhäuser neu gestrichen werden müssen, und er passt die Büroarbeitsplätze individuellen Anforderungen an. Günther sorgt auch dafür, dass ein Mal im Jahr die 1008 Neonröhren im Plenarsaal mit einer sechzehn Meter hohen Wartungsbühne ausgewechselt werden. Nicht zuletzt hat der Verwaltungsbeamte ein Auge auf Kleinigkeiten, wenn in den Büros des Hauses etwa Postkarten oder Notizen an die Kirschbaumvertäfelungen geheftet werden.

„Im Prinzip gehört zum Gebäudemanagement das Betreiben von einem Stück Parlament", sagt der technische Manager des Hauses. An den im Parlamentskalender markierten Sitzungstagen kümmert er sich darum, dass im Plenarsaal die Klimaanlage läuft, es nicht zu warm und nicht zu kalt ist, die Mikrofonanlagen nicht pfeifen und die Aufzeichnungsgeräte funktionieren.

Günther beginnt seine Tage stets im Backstage-Bereich. In der Sicherheitszentrale, bei der Hausmeisterei und an der Pforte schaut er vorbei, bevor er seine Stempelkarte drückt. Er vergewissert sich, ob Besonderes anliegt. „Insofern bin ich ein altmodischer Mensch“, sagt Günther. Er kenne seine Mitarbeiter schon seit vielen Jahren und könne sich auf sie verlassen. Doch um innere Ruhe zu finden, brauche er den persönlichen Kontakt. Nichts könne den Moment ersetzen, wenn man sich in die Augen schaut und fragt: „Alles gut vorbereitet?“

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