Zeitung Heute : Stadt-Marketing

Der Tagesspiegel

Von Holger Wild

Von Betriebswirten lernen, heißt siegen lernen. Das hat auch die Verwaltung begriffen – und macht sich mit modernsten Marketing-Methoden fit fürs Morgen. Schon gilt auf einem Amt, das auf sich hält, der Bürger als „Kunde“. Nicht lange, dann wird die Polizei ihre „Zielgruppe“ service-orientiert einbuchten. In unseren Meldeämtern ist bald mit Werbegeschenken zu rechnen und mit Prämien für die Vermittlung potenter Steuerzahler. Was Fitness-Studios können, kann der Senat schon lange: Er plant, an Studenten, die sich hier mit Hauptwohnsitz anmelden, Geld zu zahlen. So soll Einwohnerzahl Berlins hochgejazzt werden. (Siehe Seite 10.)

Doch dies ist immer noch altes Denken. Welches Unternehmen umwirbt seine Kunden denn mit Bargeld?! Ein modernes Berlin böte Studenten „a) ein Holland-Rad mit Dreigang-Schaltung, b) eine Waschmaschine (ohne Lieferung), c) ein Einkaufsgutschein über 500 € (sponsored by Buchhandlung Kiepert).“ So ködert man Leute. Studenten von mehr als 25 Semestern erhalten als Treueprämie die „Langzeit-Gold-Karte“ mit freier Nutzung der Berliner Museen, Bibliotheken und Schwimmbäder.

Und wieso nur Studenten? Familien ließen sich aus dem Umland zurück locken, bekämen sie nur ein „Formschönes KPM-Service, 24-teilig, waschmaschinenfest (Zuzahlung nur 90 €)“. So geht’s mit Investoren ja auch: „Gewerbegrundstück, beste Lage, Spreeblick (Zuzahlung nur eine Million €).“

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