Zeitung Heute : Stadtmenschen

Der Tagesspiegel

Eigentlich ist er eine Fontane-Figur – heller Schnurrbart, bürgerliche Charakter, heiter-gelassene Ausstrahlung. Oder legt der Name doch eher die Urheberschaft Thomas Manns nahe? Jedenfalls würde Hartwig Piepenbrock jeden Berlin-Roman zieren – ein erfolgreicher Gebäudereiniger, der zugleich Kunstsammler ist, überall präsent ist und sich in vielen Ehrenämtern engagiert. Umso gelungener, dass es ihn wirklich gibt, im Berlin von heute. Da ist er – mit seiner Frau Maria-Theresia – zu einem unübersehbaren, man kann ruhig sagen: unverzichtbaren Teil des öffentlichen und kulturellen Lebens geworden. Und deshalb war auch die Orangerie des Charlottenburger Schlosses gerade recht – und reichte gerade aus –, um am Montag der Feier zu seinem 65.Geburtstag den festlichen Rahmen zu geben. Natürlich gab es Reden: Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister, lobte die Unternehmerpersönlichkeit. Er sprach übrigens mit für seinen anwesenden brandenburgischen Kollegen Manfred Stolpe – eine protokollarische Novität. Möglicherweise eine kleine Verbeugung vor dem Vorsitzenden des Förderkreises Perspektive Berlin-Brandenburg, der Piepenbrock auch ist? Gerd von Brandenstein, der Präsident der berlin-brandenburgischen Unternehmensverbände, intonierte geburtstagsgemäß das Thema des Abschied der Patriarchen – um überzeugend zu der These hinzuführen, dass von einem Abschied bei Piepenbrock nicht die Rede sein könnte. Soweit Piepenbrocks Berlin. Aber es gibt noch einen Piepenbrock, von dem die Berliner nichts ahnen. Der findet statt in Osnabrück, wo der Weg ein „Wech“ ist, und Hans-Jürgen Fip Oberbürgermeister. Der referierte die Kurzform einer modernen Erfolgsgeschichte. Sie begann mit dem Familien-Geschäft, das in den fünfziger Jahren ganze 15 Mitarbeiter hatte – jetzt sind es rund 25000. Dazu gehört der Präsident des VfL Osnabrück – neunzehn Jahre lang –, aber auch der Vorsitzende der Varus-Gesellschaft zur Förderung der Ausgrabungen im Osnabrücker Land. Denn dort, nicht im Teutoburger Wald, so Fip, habe sich die Hermanns-Schlacht erreignet. Dort muss, nimmt man das Unternehmen Piepenbrock, die Welt auf fast altmodische Weise noch in Ordnung sein. Die Laudatio auf den Vater hielt Astrid Hamker, die Tochter. Zur Übernahme des Geschäfts stehen die beiden Söhne Olaf und Arnulf bereit. Bleibt die seltene Gäste-Mischung zu registrieren, die der Jubilar der Stadt mit seinem Geburtstag bescherte: alle, die man in Berlin kennt – und noch mehr, die man nicht kennt, Freunde und Geschäftspartner aus den Tiefen Westdeutschlands. Rdh.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar