Zeitung Heute : Stadtmenschen

Der Tagesspiegel

Auf die U-Bahn warten ist langweilig, auf den Frühling warten sinnlos, aber auf Karl Lagerfeld warten macht Spaß. Der Mann, der auch gern mit „Modezar“ substituiert wird, sollte einfach bloß anwesend sein bei der Vorstellung des Buches „Where will we meet next“ von Tobias Schweitzer und Stephen Gan. Weil das Vorwort aus seiner berühmten Feder stammt. Aber er kam ganz lange nicht, für knapp zwei Stunden. Dabei war der Ort des Geschehens, das Kino International, doch extraschick hergerichtet. Deshalb amüsierten sich die geladenen Gäste bei der Warterei prächtig: das Mini-Buffet war in fünf Minuten ratzekahl leergegessen, die Menge innerhalb kürzester Zeit angenehm alkoholisiert. Und als der sehr schmal gewordene Karl Lagerfeld, umgeben von zwanzig anderen Leuten, das Foyer betrat, brach ein Aufstand los: Karl Lagerfeld kam ohne Fächer. „Das ist bestimmt nur sein Double“, sagte einer, und ein anderer: „Quatsch, heute Mittag war er schon in Kunstwerken, und vorgestern hat er eine Ausstellung eröffnet, wo auch Alfred Biolek und Nadja Auermann waren.“ Und noch ein anderer, jemand, der das Glück hatte, für einen kurzen Moment ganz nah neben Lagerfeld stehen zu dürfen, bemerkte : „Er hat eine faszinierende Aura.“ Eine Zaren-Aura eben, die die Gäste in ihren Bann zog und auch dann noch das International beherrschte, als Lagerfeld längst weg war. Schade, dass der Modeschöpfer nicht in Berlin wohnt. Er soll angeblich ein Schiff für sich und seine Entourage gemietet haben und damit über die Flüsse der Stadt gegondelt sein - solche glamourösen Aktionen gibt es viel zu selten. Herr Lagerfeld, bitte beehren Sie uns bald wieder. Und sagen Sie dann auch mal was. oom

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