Zeitung Heute : Ständig unter Strom

Rainer W. During

Ein Stromausfall hat in der Schweiz den gesamten Zugverkehr lahm gelegt. Wie ist die Energieversorgung der Bahnen in Europa vernetzt? Hätte so etwas auch in Deutschland passieren können?

So richtig will sich der Sprecher der Deutschen Bahn nicht festlegen. Den Stromausfall bei den Schweizer Kollegen will er nicht kommentieren. Und auch auf die Frage, ob sich ein solcher Super-GAU in der Bundesrepublik ereignen könnte, gibt er offiziell keine klare Antwort. Hinter vorgehaltener Hand jedoch hält man bei der Deutschen Bahn einen solchen Megacrash wegen der dezentralen Netzstrukturen in Deutschland für unwahrscheinlich.

Für die Stromversorgung ist die Tochtergesellschaft DB Energie GmbH zuständig. Sie kann auf 55 Kraft-, Umform- und Umrichterwerke zurückgreifen. In 155 so genannten Unterwerken wird der Strom auf die Betriebsspannung von 15000 Volt heruntertransformiert. „Damit sind wir relativ unabhängig von einer zentralen Versorgung“, sagt ein Sprecher. Das System wird von der Hauptschaltleitung – einer der modernsten Energieeinsatzzentralen Europas – sowie 18 Zentralschaltstellen gesteuert und überwacht. Bedarfsschwankungen bis zu 300 Megawatt – das entspricht dem gleichzeitigen Einschalten von rund zwei Millionen Fernsehapparaten – lassen sich in Sekunden ausgleichen. Selbst der Totalausfall eines Kraftwerkes kann aufgefangen werden.

Obwohl zwischen der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz ein Stromverbund besteht, hatte der Ausfall keinerlei Auswirkungen auf das deutsche Netz. Dafür sorgten die beiden Schnittstellen Basel/Badischer Bahnhof und Singen am Bodensee. Fällt die Spannung im Nachbarnetz unter einen bestimmten Grenzwert, wird die Verbindung unterbrochen, bevor das eigene Netz gefährdet wird. So konnten Passagiere von grenznahen Bahnhöfen in der Schweiz mit Bussen oder Autos nach Deutschland fahren und hier ihre Bahnreise von der nächsten Station fortsetzen.

Im Gegensatz zu der vollständig elektrifizierten Schweiz wird das Netz der Deutschen Bahn nur zu 90 Prozent mit Strom betrieben. Auf den rund 19000 Kilometern des elektrifizierten Streckennetzes verkehren täglich 25000 Züge. Sie beziehen ihren Strom meist aus Oberleitungen. Ausnahmen sind die S-Bahnen in Berlin und Hamburg, die über ebenerdige Stromschienen mit Gleichstrom versorgt werden.

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