Zeitung Heute : Stärke und Selbstbewusstsein fördern

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Mit dem alten Satz allein „Geh nicht mit Fremden“, den Eltern seit Generationen wiederholen, ist es nicht getan, Kinder vor Gewalttätern zu schützen. „Ganz wichtig ist es, dass Kinder die Kraft haben zu reagieren, wenn ihnen eine Situation ungut vorkommt“, sagt Jochen Sindberg, Leiter des Dezernats für Sexualdelikte bei der Berliner Kriminalpolizei. Wenn sie etwa auf der Straße angesprochen werden, dann gebe es für die Kinder zwei Möglichkeiten: Sie können wegrennen oder Aufmerksamkeit bei anderen Passanten schaffen. Aber für beide Reaktionen müssten sie stark und selbstbewusst genug sein, sagt Sindberg. Die Stärke und das Selbstbewusstsein bei den Kindern zu fördern, das halten Kriminalisten und Kinderpsychologen für die vordringlichste Aufgabe der Eltern, um sie zu schützen.

Eltern sollten auch jetzt nach dem Fall Mitja auf keinen Fall Panik verbreiten, sagt Sindberg. Es sei falsch, ein Kind jetzt nicht mehr aus den Augen zu lassen. Aber wenn ein Kind einmal ein fragwürdiges Erlebnis hatte, sei es unerlässlich, dass es hinterher mit einer Vertrauensperson darüber reden kann, im besten Fall natürlich mit den Eltern. Denn die Täter suchten sich in der Regel Kinder als Opfer , denen

es auch an emotionaler Zuwendung fehlt. Nicht umsonst seien die Kaufhausabteilungen, in denen manche Kinder stundenlang ohne elterliche Betreuung an den Spielkonsolen stehen, immer wieder ein Ort, an dem sich die Täter herumtreiben.

Sabine Bresche vom Kinderschutzbund in Berlin rät davon ab, die eigenen Ängste auf die Kinder zu übertragen. Bresche empfiehlt, gemeinsam mit den Kindern zu sehen, wie sie sicher in der Öffentlichkeit unterwegs sein können. Sinnvoll sei es, sich zu mehreren Kindern zusammenzutun. Eltern könnten zudem mit den Kindern den Verkäufer am Zeitungskiosk oder beim Bäcker auf dem Schulweg darauf ansprechen, dass das Kind dort Hilfe suchen kann. „Damit ist schon eine Barriere für die Kinder gefallen“, sagt Bresche.

Es gibt auch professionelle Angebote, bei denen Kinder richtiges Verhalten über Rollenspiele oder spezielle Theaterstücke lernen. Eines dieser Projekte ist das Stück „Mein Körper gehört mir“ der Theaterwerkstatt Osnabrück. In Berlin geht die Polizei auch selber mit dem Projekt „(K)ein Kinderspiel“ in die Schulen. Ein Angebot allerdings, das aus finanziellen Gründen nicht flächendeckend gemacht werden kann. sik

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