Zeitung Heute : Stark durchs Jubiläumsjahr

100 Jahre Mercedes-Benz: Eine „Gallery“ Unter den Linden und das neue Nutzfahrzeugzentrum sichern die Zukunft

Bernd Matthies

Das erste in Berlin zugelassene Auto war ein Daimler – er rollte ab 1902 noch ziemlich allein durch die Straßen. Noch sieben Jahre länger dauerte es, bis die Firma eine offizielle Niederlassung gründete, eine von zunächst fünf in Deutschland: 1909 wurde der bestehende und mit einer Werkstatt verbundene Ausstellungsraum Unter den Linden 78 in diesen Rang erhoben. Das ist nun genau 100 Jahre her, Daimler in Berlin feiert seit Januar, wie es sich gehört – und das, so würde man denken, angesichts der Krise in einem denkbar ungeeigneten Jahr.

Walter Müller, der langjährige Direktor der Berliner Mercedes-Benz-Niederlassung, sieht die Lage für sein Unternehmen aber durchaus gedämpft optimistisch. „Wir zeigen uns gerade in unserem Jubiläumsjahr stark“, betont er, „und es gelingt uns, mit den zugegebenermaßen schwierigen Rahmenbedingungen sehr gut zurechtzukommen.“

Seine Bilanz bislang: Der von der Abwrackprämie besonders angeschobene Smart-Absatz ist gestiegen, auch Mercedes-Benz liegt wegen der ebenfalls stark gefragten A- und B-Klasse über der Vorjahreszahl, „und bei den Lkws und Transportern halten wir das Top-Niveau, das wir uns in den zurückliegenden Jahren erarbeitet haben“.

Die Folgen der Krise seien aber bei den Oberklasse-Pkws zu spüren, sagt Müller, der die deshalb notwendigen Einsparungen durch Stellenabbau ausschließlich im Rahmen der natürlichen Fluktuation erreichen will. Er betont, dass es gerade in einer solchen Situation auf eine hochmotivierte Mannschaft ankomme; eine solche habe man sich durch konsequente Ausbildung auch geschaffen.

„Wir glauben an die Zukunft Berlins und der ganzen Region“, sagt Müller und verweist auf zwei Großprojekte, mit denen dies bekräftigt wird: die neue „Mercedes-Benz-Gallery“ am historischen Standort Unter den Linden und das europaweit größte Nutzfahrzeugzentrum am Neudecker Weg in Rudow, die beide im Oktober eröffnet werden, „wichtige Meilensteine auf dem Weg in die Zukunft“.

Für diesen Weg wünscht er sich, dass die Verwaltungen vom Senat bis zu den Bezirken „die administrativen Hemmnisse bei Genehmigungsverfahren beseitigen und sich noch stärker als Dienstleister in diesem Prozess verstehen“. Wenn Unternehmen schon Geld in die Region steckten, dann solle dies nicht von der Verwaltung zusätzlich erschwert werden.

Generell stellt Müller, der auch ehrenamtlicher Präsident des ADAC BerlinBrandenburg ist, der Politik ein gutes Zeugnis aus. Sie habe sich ebenso wie die Wirtschaft als entschlossen und handlungsstark erwiesen, und dies berechtige zu der Hoffnung, dass die Krise überwunden werden könne. Er selbst glaubt aber nicht daran, dass das sehr schnell gehen wird, „wir werden uns den Wohlstand der Zukunft erneut mit Fleiß, Energie und Kreativität verdienen müssen“.

Den Automobilhandel insgesamt sieht Müller aber vor einer schwierigen Zukunft und verweist auf den Rückzug der Weller-Gruppe aus Berlin und die Insolvenz von Kroymans, „weitere Händler werden bestimmt folgen“. Doch andererseits eröffne dies den Handelsbetrieben, die die Krise überstehen, neue Wachstumschancen: Mobilität, so betont er mit Hinweis auf eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts, gehöre auch in Zukunft zu den national und international dominierenden Bedürfnissen.

Die Berliner Daimler-Zentrale befindet sich am Salzufer in Charlottenburg – einem Standort, der schon 1915 von Benz Cie. gegründet worden war. Im Jahr 2000 wurde dort die neue Zentrale eröffnet, zu der insgesamt 1400 Mitarbeiter an 13 Standorten gehören. Sie ist damit einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt.

In der Marken- und Veranstaltungswelt am Salzufer werden die Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz für die Kunden und Besucher in Szene gesetzt. Die Mercedes-Welt verzeichnet mehr als eine Million Besucher jährlich bei rund 200 Veranstaltungen wie Fahrzeug-Premieren, Empfängen oder dem „Public Viewing“ von Sportereignissen.

www.berlin.mercedes-benz.de

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