Zeitung Heute : Starke Schultern

Für die Organisatoren der Langen Nacht bedeutet das Shopping-Vergnügen jede Menge Arbeit – der Spaß kommt dabei trotzdem nicht zu kurz

Silke Zorn

Wenn die Schnäppchenjäger um Mitternacht zufrieden ihre Tüten zusammenraffen und das letzte Glas Prosecco im Europa-Center geleert wird, ist für Michela Corona die Nacht noch lange nicht vorbei. Sie arbeitet beim Werbeteam Berlin, das die Lange Nacht des Shoppings organisiert, und ist maßgeblich für das Projekt verantwortlich. Bis drei, vier Uhr morgens ist sie mit ihren Kollegen unterwegs, schaut in den Geschäften vorbei, überwacht erste Aufräumarbeiten und koordiniert Termine für den nächsten Tag. Wenige Stunden später am Sonntagvormittag sitzt die junge Frau schon wieder in ihrem Büro und bereitet Abschlussberichte für die Presse vor. „Wenn das Wochenende dann vorbei ist, falle ich sicher wieder totmüde ins Bett“, prophezeit sie.

Michela Corona spricht aus Erfahrung. Es ist die dritte Lange Nacht des Shoppings, die sie mitorganisiert. Das Werbeteam Berlin rund um Geschäftsführer Tommy Erbe richtet das Event bereits zum zehnten Mal aus. Langsam aber sicher kehrt Routine ein. Trotzdem bleibt die Arbeit immer spannend, findet die Event-Expertin. Einige Monate vor jeder Langen Nacht ist viel Ausdauer und gutes Schuhwerk gefragt. „Wir marschieren los und stellen allen Geschäften rund um die Tauentzienstraße unser Konzept persönlich vor“, erzählt die Projektverantwortliche. Viele Läden, wie Niketown, das Stilwerk oder Hugendubel sind seit langem mit von der Partie. Andere Geschäfte müssen erst noch davon überzeugt werden, ihre Türen ausnahmsweise einmal länger als üblich zu öffnen.

Michela Corona macht es Spaß, jedes Mal neue Verbündete für das nächtliche Shopping-Event zu gewinnen. Sie ärgert sich allerdings über die vielen Trittbrettfahrer, die ihre Öffnungszeiten verlängern, ohne sich an Finanzierung und Organisation der Veranstaltung zu beteiligen. „Die Lange Nacht ist eine Gemeinschaftsaktion – wer davon profitiert, sollte auch bereit sein, seinen Beitrag zu leisten.“

Flyer und Programme müssen gedruckt, Anzeigenkunden gewonnen und das Aktions- und Kulturprogramm rund um die Shopping-Nacht organisiert werden. Einige Läden stellen hauseigene Programme auf die Beine, die vom Werbeteam koordiniert und ins offizielle Programm aufgenommen werden. Es gibt Sektempfänge und Piano-Sessions, Modenschauen und Gewinnspiele.

In der heißen Phase vor dem Einkaufs-Vergnügen ist das Telefon Michela Coronas wichtigster Verbündeter. „Dann erledige ich gut und gerne hundert Anrufe am Tag. Und in der Nacht selbst steht mein Handy ohnehin nicht still.“ Vor allem Interviewtermine für Werbeteam-Chef Tommy Erbe muss sie koordinieren, denn bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Außerdem sind die Künstler zu betreuen, die im Rahmenprogramm der Shopping-Nacht auftreten. Jede Bühne muss am richtigen Fleck stehen, die Technik funktionieren.

Wenn der ganze Trubel vorbei ist, können Michela Corona und ihre Kollegen erst einmal aufatmen. Eine lange Ruhepause ist ihnen allerdings nicht vergönnt. „Nach zwei bis drei Wochen werden schon wieder die Vorbereitungen für die elfte Lange Nacht des Shoppings losgehen“, erzählt sie. Die findet dann am 29. Oktober statt.

Ein wenig fühlt man sich an den Hollywood-Streifen „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert, in dem Bill Murray aus unerfindlichen Gründen einen bestimmten Tag immer und immer wieder erlebt. Michela Corona ist aber trotz der vielen Arbeit rund ums Jahr mit ganzem Herzen bei der Sache. „Einen ruhigen Job könnte ich niemals machen. Selbst wenn ich jeden Tag pünktlich um fünf nach Hause gehen könnte.“

Ein zeitiger Feierabend dürfte für das Werbeteam in Zukunft ohnehin die Ausnahme bleiben. Man hat sich viel vorgenommen. Im kommenden Jahr sollen vor allem die Herren der Schöpfung auf ihre Kosten kommen, die vermutlich mit etwas weniger Begeisterung auf nächtliche Schnäppchenjagd gehen als ihre besseren Hälften. Geplant ist eine große Fußball-Party pünktlich zur Weltmeisterschaft. Das Werbeteam strickt an einem bunten Programm für die City-West. Das Konzept wurde auf einer Veranstaltung der FIFA bereits offiziell vorgestellt.

„Vier Wochen lang soll auf Kurfürstendamm und Tauentzienstraße einiges los sein“, verrät Michela Corona. „Wir planen Sportevents, Musik, Bühnen und jede Menge Mitmach-Aktionen.“ Diese Ankündigung dürfte so manchen Mann versöhnlich stimmen, der am kommenden Sonnabend beim Tüten tragen helfen muss.

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