Zeitung Heute : Starke Universitäten

Peter-André Alt

Vor wenigen Wochen wurde in Berlin ein neuer Verbund ins Leben gerufen, der 15 deutsche Universitäten zusammenführt. Sein Name: German U 15. Sein Ziel: renommierten Forschungsuniversitäten eine vernehmbare Stimme zu geben. Die Bedingungen für die Mitgliedschaft sind einfach und klar. Universitäten, die der German U 15 angehören, sollen groß, forschungsstark und international sichtbar sein; ihr Fächerspektrum muss seine Schwerpunkte außerhalb der Ingenieurwissenschaften aufweisen und die Medizin einschließen. Durch den Namen wird signalisiert, dass es sich um eine geschlossene Gruppe handelt, die im Interesse eines konturierten Profils nicht ständig verändert und erweitert werden darf. Zu den Mitgliedern gehören neben der Freien Universität und der Humboldt Universität etwa die Universität Heidelberg, die LMU München und die Universität Köln.

Welche Ziele verfolgt der neue Verbund? Seine Aufgabe wird darin bestehen, im politisch-öffentlichen Raum die Interessen der universitären Spitzenforschung vernehmbar zu vertreten. Deutschland kann seine herausragenden Qualitäten als Wissenschaftsstandort nur erhalten und – wo erforderlich – ausbauen, wenn seine Universitäten auskömmlich finanziert werden. Dazu gehört, dass sie ähnlich gute Rahmenbedingungen erwarten dürfen, wie sie seit geraumer Zeit, zuletzt befördert durch das Wissenschaftsfreiheitsgesetz, den außeruniversitären Forschungseinrichtungen – etwa der Max-Planck-Gesellschaft oder den Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft – geboten werden. Seit vielen Jahren müssen die großen Universitäten eine Quadratur des Kreises schaffen. Sie haben hohe Studierendenzahlen zu bewältigen, Grundlagenforschung auf internationalem Niveau zu betreiben und gleichzeitig den wissenschaftlichen Nachwuchs der Zukunft zu qualifizieren. Nicht selten gehen ihnen die besten Köpfe verloren, weil es junge Wissenschaftler in die USA, nach Kanada und Großbritannien zieht, wo sie bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Wer die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Universitäten steigern will, muss ihre Grundfinanzierung erhöhen, die Fundamente für die engere institutionelle Verbindung mit der außeruniversitären Forschung verstärken und die Dokumentation ihrer wissenschaftlichen Leistungen der internationalen Öffentlichkeit gegenüber optimieren.

Ein wichtiges Thema der German U 15 wird die Medizin sein. Die Lebenswissenschaften gehören zu den großen Profilstärken des Forschungsstandorts Deutschland. Sie können ihre Leistungskraft nur erhalten, wenn sie in institutioneller Gemeinsamkeit von Medizin und naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung organisiert werden. Medizinische Hochschulen jenseits der Universitäten erfüllen diese Voraussetzungen nicht und stellen die sachlich gebotene Kooperation der Fächer in Frage. Die German U 15 setzen sich für eine starke Universitätsmedizin in organischer Verbindung mit den anderen Disziplinen ein.

Die geplanten Aktivitäten des Verbandes schließen ein weiterhin starkes Engagement seiner Mitglieder in der Hochschulrektorenkonferenz keineswegs aus. Es ist unstreitig, dass die German U 15 mit ihrer Konzentration auf eine Reihe zentraler Themen und Forderungen ein starker Akteur im nationalen wie internationalen Hochschulraum sein werden. Und das wiederum dient den Interessen aller, die an der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen arbeiten.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität.

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