Zeitung Heute : Starker Knochen

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Neue Tricks gegen Osteoporose

Hartmut Wewetzer

Auf einem Teppichläufer ausrutschen, weil er auf glattem Parkett liegt – wem ist das noch nicht passiert? Und sich dann, mit 55 Jahren, bei diesem Sturz ungeschickterweise das Handgelenk zu brechen, ist dann auch ganz normal, oder?

Vielleicht doch nicht. Vielleicht ist es Osteoporose. Die Krankheit der brüchigen, porösen Knochen.

Knochenbrüche jenseits der 50 können nämlich ein Zeichen für Osteoporose sein. Betroffen sind oft Ober- und Unterarm, Wirbelkörper und Oberschenkelhals. Aber dieser Zusammenhang wird nicht selten verkannt. Ein zweites unterschätztes Problem ist Vitamin-D-Mangel vor allem bei Älteren. Fehlt es an diesem knochen- und muskelstärkenden Vitamin, steigt die Sturz- und Bruchgefahr.

Osteoporose ist keine von der Pharmaindustrie erfundene Krankheit, sondern ein echtes Problem. Denn jenseits der 30 baut unser Knochen allmählich ab. Das bedeutet auch, dass er brüchiger wird. Schätzungsweise kommt es jedes Jahr in Deutschland zu 500000 Knochenbrüchen durch Osteoporose. Das verursacht nicht nur Milliardenkosten, sondern kann, wenn die Hüfte betroffen ist, zu Pflegebedürftigkeit und Tod führen.

Aber man kann vorbeugen. Mit Kalzium (zum Beispiel in Milch, Jogurt, Käse, grünem Gemüse wie Broccoli, Spinat), Vitamin D (Fisch, Eier, Milch), mit Bewegung und dem Vermeiden von Untergewicht. Und: Rauchen geht auf die Knochen – bloß nicht!

In manchen Fällen muss die Osteoporose auch mit Medikamenten bekämpft werden. Auf diese Weise gelingt es, das Risiko von Knochenbrüchen um die Hälfte zu senken. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten, den Knochenabbau zu bremsen. Einige Medikamente blockieren Osteoklasten – das sind Zellen, die den Knochen „annagen“. Zu diesen Arzneimitteln gehören die häufig verschriebenen Bisphosphonate. Die zweite Gruppe der Osteoporose-Mittel stimuliertdie Osteoblasten. Das sind jene Zellen, die Knochen aufbauen. Zu diesen „anabolen“ Medikamenten gehören „Nachbauten“ des körpereigenen Stoffes Parathormon.

Jetzt hat eine Untersuchung von Dennis Black von der Universität von Kalifornien in San Francisco und seinen Mitarbeitern gezeigt, dass sich beide Medikamentengruppen sinnvoll kombinieren lassen, um Menschen mit schwerer Osteoporose zu helfen. Die Knochen werden besonders gestärkt, wenn man zunächst für ein Jahr ein aufbauendes Parathormon-Präparat einnimmt, um dann einen Wirkstoff einzunehmen, der den Knochenabbau erschwert – ein Bisphosphonat. Der Haken an der Sache: Parathormon-Medikamente sind sehr teuer, müssen gekühlt und gespritzt werden.

„Medikamente gegen morsche Knochen sind nur die eine Hälfte der Behandlung“, sagt Dieter Felsenberg, Knochenexperte an der Berliner Charité. „Fast noch wichtiger ist es, dass die Patienten alles tun, um sich vor Stürzen zu schützen. Denn 80 Prozent aller Knochenbrüche bei Osteoporose sind die Folge von Stürzen.“ Der Teppichläufer darf nicht zum Verhängnis werden.

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