Zeitung Heute : Starker Nachbar

In Uganda herrscht Frieden – fast überall

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Das Ritual ist stets das gleiche. Jeden Abend versammeln sich im Norden Ugandas Tausende von Kindern auf Hospital und Kirchengrundstücken. Hier suchen sie Schutz vor den Banden der „Widerstandsarmee des Herrn“ (Lords Resistance Armee/LRA), die seit mehr als 16 Jahren die Menschen in dieser Region des ostafrikanischen Staates terrorisiert. In einigen ländlichen Gebieten im Norden leben die Menschen inzwischen in geschützten Lagern. Einige der Dörfer wurden im letzten Jahr während der Kampfhandlungen zwischen Rebellenbanden und der ugandischen Armee neu gebaut. Eigentlich sollte es sich dabei um die letzte Offensive des Militärs handeln. Doch möglicherweise war das Versprechen der Regierung in Kampala etwas verfrüht. Darauf deutet jedenfalls der blutige Angriff hin, den die LRA vor wenigen Tagen auf eines der Camps unternahm. Der Übergriff ist nach Ansicht vieler ein deutliches Indiz dafür, dass die LRA noch immer nicht geschlagen ist.

Uganda hat seit 1986 weitgehend Frieden, jedoch nicht überall. Sporadisch kommen immer wieder Guerillas über seine Nord- und Westgrenze. Das zu Beginn der 70er Jahre von dem Massenmörder Idi Amin geführte Land bleibt deshalb hoch militarisiert.

Die LRA ist die letzte in Uganda aktive Rebellengruppe. Sie führt seit dem Machtantritt von Staatschef Yoweri Musevens im Jahr 1986 eine Terrorkampagne gegen die Zentralregierung in Kampala. Die Gruppe ist den Zehn Geboten verpflichtet und operiert nach der alttestamentarischen Losung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Angeführt wird die LRA von Joseph Kony, der sich offenbar darauf verlegt hat, Kinder zu entführen. Die Jungen werden oft zu loyalen Kämpfern oder Arbeitern ausgebildet, die Mädchen dienen den Soldaten meist als Sexsklavinnen.

Im letzten Jahr eskalierte die Gewalt, nachdem die ugandische Armee versucht hatte, die Rebellen aus ihren Camps in Südsudan zu vertreiben. Die Operation wurde erstmals mit dem Segen der Regierung in Khartum durchgeführt. Zuvor hatten sich beide Länder verpflichtet, künftig nicht mehr die Rebellen der jeweils anderen Seite zu unterstützen oder ihnen Unterschlupf zu gewähren.

Nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden seit Juni letzten Jahres mehr als 5000 Menschen von der LRA entführt, wodurch die Gesamtzahl der Gekidnappten seit Beginn des Konflikts auf über 20 000 stieg. Die reguläre ugandische Armee hat etwa 8000 von ihnen wieder zu ihren Familien zurückgebracht.

Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass die Kampfstärke der Rebellen inzwischen bis auf einige Hundert gefallen ist und eine dauerhafte Befriedung der Region möglich ist. Bislang hatte der Konflikt Staatschef Museveni stets eine Rechtfertigung verschafft, seine Militärausgaben zu erhöhen, was zuletzt zu Spannungen mit den europäischen Geberländern geführt hatte. wdr

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