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Die Ariane 5 soll heute abheben. Warum ist die zweite Mission der Rakete so wichtig?

T. de Padova F. Wisdorff

Welche Aufgabe hat die Ariane 5?

Die neue Ariane-5-Rakete muss zehn Tonnen Nutzlast ins All befördern können. Das entspricht zwei großen Satelliten im Doppelpack, zum Beispiel solchen für das geplante Navigationssystem „Galileo“. Noch bis in die 70er Jahre hinein gab es keine derartige europäische Trägerrakete, konnten Satelliten nur mit amerikanischer Hilfe ins All gebracht werden. Als die USA den Transport zweier kommerzieller Kommunikationssatelliten verweigerten, forcierten die Europäer den Bau einer eigenen Rakete: der Ariane. Sie sichert ihnen seit 1979 einen eigenen Zugang zum Weltraum, bringt Forschungs-, Wetter-, Umwelt- oder Telekommunikationssatelliten in ihre Umlaufbahnen um die Erde.

Wie funktioniert der Raketenstart?

Der Schub für einen Raketenstart kommt durch ein Gas zu Stande, das aus einer Düse nach unten ausströmt. Dadurch entsteht eine Gegenkraft, die die schwere Rakete langsam nach oben schiebt. Im Fall der Ariane-Rakete treffen in einer Brennkammer flüssiger Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff aufeinander. Sie reagieren sehr schnell miteinander. Es entsteht Wasserdampf, der der Rakete ihren Auftrieb gibt.

Was macht diese Phase so riskant?

Die Kunst eines Raketenstarts besteht vor allem darin, den Treibstoff richtig zu dosieren. Die heftige, explosionsartige Verbrennungsreaktion von Wasserstoff und Sauerstoff muss genau den gewünschten Schub erzeugen. Schon ein bisschen mehr Wasserstoff zum Beispiel führt zu einer viel intensiveren Verbrennung. Das Material der Brennkammer hält aber schon die normalen Betriebstemperaturen von über 3000 Grad Celsius nur aus, wenn die entstandene Wärme ständig abgeführt wird.

Warum ist das Ariane-Projekt 2002 missglückt?

Beim Raketenstart der neuen Ariane 5 im Dezember 2002 versagte das Kühlsystem des Haupttriebwerks. Das Kühlmittel – der eisige, flüssige Wasserstoff – strömte durch winzige Kanäle in die Brennkammer. Den Druckverhältnissen im All hielten sie damals nicht stand, die Kanäle beulten sich zu stark aus.

Was ist daraufhin verbessert worden?

Inzwischen sind die Düsen am Ende der Röhrchen mit einem zusätzlichen Wärmeschutz versehen worden, sie halten zudem höhere mechanische Belastungen aus. Das Kühlsystem hat viele Vakuumtests durchlaufen, die damals als zu teuer galten und deshalb versäumt wurden.

Was kostet das Ariane-5-Programm?

Nach dem Fehlstart 2002 wurde der Versuch gemacht, das Projekt trotz des Rückschlags zu retten. Im Mai 2003 bewilligten die verantwortlichen EU-Minister Maßnahmen im Wert von 1,2 Milliarden Euro, von denen mehr als 500 Millionen für die Verbesserungen seit dem Fehlschlag beim Jungfernflug verwandt wurden. Der Start selbst kostet 150 Millionen Euro.

Warum findet der Start in Kourou und nicht woanders statt?

Der Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ist ein günstiger Küstenstandort, weil die Rakete nach dem Start quer über den Atlantik in Richtung Westafrika fliegt. Über dem Ozean wirft sie dann die nicht benötigten Stufen und Treibstofftanks ab.

Welche Folgen hätte ein weiterer Fehlstart für die europäische Raumfahrt?

Das wäre ein herber Rückschlag für die europäische Raumfahrtindustrie. Denn die ist schon seit Jahren das Sorgenkind des Luft-und Raumfahrtkonzerns EADS. Die Nachfrage nach kommerziellen Satelliten im All war schon 2002 stark zurückgegangen, die Raumfahrtsparte von EADS tief in die roten Zahlen gerutscht. Zudem ist die Konkurrenz sehr stark, die Amerikaner profitieren von den staatlichen Aufträgen für Militärsatelliten. Europa ist dagegen auf diesem Feld nicht tätig. Im Mai 2004 gab es jedoch neue Hoffnung: Der Vermarkter für die Raketenstarts, Arianespace, und EADS schlossen einen Vertrag über 30 Neustarts. 25 davon sollen mit der Zehn-Tonnen-Rakete ausgeführt werden, die heute ins All fliegen soll.

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