Zeitung Heute : Start in die neue Segel-Saison: Und ewig lockt das Wasser

Annette Kögel

Leise raschelndes Schilf, rhythmisch plätschernde Wellen. Die nackten Fußsohlen wärmt das verblichene Holz des Bootssteges. Es ist Frühling, und mit ihm zieht es auch Berlins 250 000 Wassersportler ins Freie. An Berlins Häfen und Steganlagen werden Schiffe aus den Winterquartieren geholt, Decks gewienert, wird Algenbelag weggeschrubbt. Der "Tegeler Segel-Club" ist einer von 112 Segelvereinen dieser Stadt. Er lädt am Sonntag zum Ansegeln für das Tegeler Revier - es gibt Austern und Champagner. Pünktlich zum Saisonauftakt haben wir uns bei den Wassersportveranstaltern in Berlin und Brandenburg umgehört.

Im Tegeler Club erleben die Segler nicht nur ihr Comeback aufs Wasser, gefeiert wird auch das 100-jährige Bestehen des Vereins mit derzeit 170 Mitgliedern. Insgesamt haben sich laut dem Vorsitzenden des Berliner Seglerverbands, Eberhard Engelmann, in Berlin rund 15 000 Menschen einem Segelverein angeschlossen. Andere ziehen Liegeplätze in privaten Marinas vor - so gehen nach Verbandsschätzungen letzlich rund 30 000 Segler in dieser Stadt an Bord. In ganz Deutschland, das ergab eine Umfrage des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft, gehen sechs Millionen Menschen surfen und schwimmen, rudern und tauchen, angeln und surfen, Wasserski oder Kanu fahren - gern im Norden, noch lieber im Süden.

Sechs Grad Wassertemperatur schüren das Fernweh: Am Spandauer Siemenswerderweg 29 an der Stößenseebrücke gibt es morgen karibische Rhythmen. Die Yachtsportschule Michael Weber bietet während ihrer Hausmesse die Möglichkeit zum Probesegeln von "Ixylon"-Jollen (Anmeldung: Telefon 324 07 39). Ebenfalls an diesem Wochenende veranstaltet das Wassersportzentrum Berlin am Müggelseedamm 70 eine "ETAP-Hausmesse". Wie berichtet, fällt die Freizeit-, Camping- und Bootsausstellung der Messe Berlin in diesem Jahr aus - zum geplanten Termin vom 24. bis 27. Mai veranstalten jetzt Marina Lanke Berlin die Wassersportmesse "Boat on Tour 2001" auf ihrem Gelände an der Scharfen Lanke 109-131.

Dieser Tage macht auch die Wasserschutzpolizei ihre Motorboote klar für den Sommer-Einsatz. Im Winter sind die 220 Mitarbeiter vor allem mit dem Eiswarn- und Rettungsdienst beschäftigt. "Derzeit überprüfen wir die Fahrgastschiffe", sagt einer der Sprecher, Dietmar Stein. Sicherheit, hygienische Bedingungen - all das muss den Vorschriften entsprechen, damit die "Dampfer" von Ostern an ablegen können. Auch bei der Arbeitsgemeinschaft Wasserrettungsdienste nehmen die rund 800 ehrenamtlichen Helfer ihre 38 Stationen ab 12. Mai wieder in Betrieb.

Kein eigenes Schiff, aber trotzdem Lust, an Bord zu gehen? Die Marina Lanke Werft bietet ihre Motor-Charterschiffe zum Saisonbeginn für das Osterwochenende ab Gründonnerstag bis Ostermontag zum Preis von drei statt vier Tagen an. Für Kreuzfahrten durch die Mark kann man sich in der Salonmotoryacht Hugo Reinicke einmieten (Infos: 36 020 09 0). Bereits gestern sind 18 Motoryachten zu einer Benefiz-Fahrt Richtung Genthin zugunsten der Kinderkrebsklinik der FU Berlin gestartet. Historische Schiffe hat der Veranstalter M.S. Schiffskontor aufgearbeitet und startet damit erstmalig zu "Shuttle-, Überraschungs-, Herren-, Location- oder Nachtfahrten" in und um Berlin. Die restaurierten Backdecker und Barkassen aus den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts mit rotbraun leuchtendem Holz samt maritimer Requisiten werden Geschäftsführer Kirk Schoormann zufolge auch für Film- und Theaterproduktionen gebucht.

Auch im Berliner Umland locken Flüsse und Seen - eines der größten Wassersportzentren Brandenburgs betreibt das Jugendbildungszentrum Blossin, Waldweg 10. Ob Ferienlager, Klassenfahrten oder Privatausflüge - während Aktivitäten aller Art können sich Kinder und Jugendliche mit zwei neuen Drachenbooten und zwei Teamsegelkuttern vergnügen (Infos: 033767 75450).

Unterdessen steigt die Stimmung in der bundesdeutschen Wassersportbranche, wie zuletzt auch auf der neuen Messe "magdeboot" zu spüren war. Die deutschen Boots- und Schiffbauer exportierten vergangenes Jahr erstmalig Schiffe im Wert von über einer Milliarde Mark, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Besser verkauft wurden Serienmodelle, aber auch so genannte Mega-Yachten "made in Germany". Insgesamt verzeichnete die Branche 2000 einen Umsatz in Höhe von 3,3 Milliarden Mark.

Die Freizeitkapitäne selbst müssen aber in diesem Jahr womöglich tiefer für ihr Hobby in die Tasche greifen: Bislang teilten sich Motoryachtverband und Seglerverband die jährlichen Schleusengebühren in Höhe von 100 000 Mark. Jetzt will das Verkehrsministerium sie auf mehr als das Doppelte erhöhen - und die Verbände wollen sie nicht mehr zahlen.

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